09.10.2021

Glaukom im Herbst: Von Staats- und Druckkrisen

Mit harscher Kritik an der Gesundheitspolitik überraschte Glaukom-Altmeister Prof. Dr. Günter Krieglstein (Köln) bei der von Prof. Dr. Christoph Faschinger und OA Dr. Anton Hommer geleiteten Veranstaltung "Glaukom im Herbst" im Wiener Parkhotel. Er sieht einen "gesundheitsökonomischen Sündenfall" mit der Einführung marktwirtschaftlicher Prinzipien in der Medizin und der "Entmachtung des Arztes als Gestalter der medizinischen Versorgung und Degradierung zum Renditebeschaffer". Einen Krisen-Überblick weit über die Gesundheitspolitik hinaus gab der "Anwalt der Republik", der Präsident der Finanzprokuratur, Dr. Walter Peschorn (Wien) in seinen Überlegungen darüber, wie in Finanzkrise und Pandemie der Staat (oft nicht ) funktioniert.

Zukunftsvisionen der augenärztlichen Versorgung lieferte Prim. Prof. Dr. Herbert Reitsamer (Salzburg) in seinen Überlegungen zur Künstlichen Intelligenz in der Präzisionsmedizin. Er prophezeit: "Die Medizin wird sich nachhaltig verändern". Und sogar ELGA soll sich durch KI in ein umfassend nützliches Instrument entwickeln. Mit dem ganz praktischen Aspekt der Nützlichkeit von Heimtonometriegeräten setzte sich Dr. Frances Meier-Gibbons (Rapperswil) auseinander. Prof. Dr. Baltwantray Chauhan (Halifax) umschrieb die Rolle von OCT-A in der Glaukom-Diagnose als "unklar". PD Dr. Georg Mossböck (Graz) mahnte: "Nicht alles, was aussieht wie ein Glaukom, ist auch ein Glaukom". Seltene Glaukomformen listete Prof. Dr. Milko Iliev (Bern) auf - es sind je nach Zählung bis zu 44. Die Gemeinsamkeiten von Glaukom und Alzheimer als neurodegenerative Erkrankungen fasste Prof. Dr. Carl Erb (Berlin) zusammen. Prof. Dr. Gerhard Schmidinger (Wien) beschäftigte sich mit dem engen Zusammenhang von Glaukom und Hornhauterkrankungen. An einem Fallbeispiel erläuterte Prof. Dr. Ingeborg Stalsmans (Leuven) die Schlüsselrolle der Ultraschall-Diagnostik. "Behandeln oder nicht behandeln", hieß es bei Prof. Dr. Christoph Faschinger (Graz) in Hinblick auf die Okuläre Hypertension und dem Verdacht auf Glaukom. PD Dr. Doreen Schmidl (Wien) räumte mit Mythen auf, die sich um die Glaukombehandlung mit Cannabis gebildet haben. Dr. Gordana Sunaric-Mégevand (Genf) plädierte für personalisierte glaukomchirurgische Lösungen. Manchmal muß man Patient*innen nach einer Glaukom-OP zum Chirurgen zurückschicken - Prof. Dr. Jörg Stürmer (Winterthur), verriet, wann das der Fall sein sollte. Prof. Dr. Clemes Vass (Wien) informierte über die Pros und Cons früher Katarakt-Operationen bei Glaukom-Patient*innen.

In Workshops informierten OÄ Dr. Cornelia Hirn (Wien) vertiefend über OCT und Artefakte beim Glaukom, OA Dr. Peter Pfoser (Linz) über Perimetrie und OÄ PD Dr. Barbara Teuchner (Innsbruck) über die Papille.

Fotos: Medical Network | Dr. Erich Feichtinger


 

 

 

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