23.09.2022

DOG 2022: Regenerative und nachhaltige Medizin

Einen Kongress im Hybrid-Format mit den Schwerpunkten regenerative Medizin und ökologischen Nachhaltigkeit kündigte DOG-Präsident Prof. Dr. med. Gerd Geerling für 29.9. bis 2.10. im neu gestalteten Berliner Estrel-Hotel-Kongresszentrum an. Nach zwei Jahren der Distanz und Online-Fortbildung kann man in Berlin wieder an einem lebhaften Mix von Symposien, Postervorstellungen, Foyer-Gesprächen, Keynote Lectures, Kursen, Updates, Workshops und Rahmenveranstaltungen sowie einer umfangreichen Industrieausstellung teilhaben. Erstmals wird die EBO-Prüfung in Berlin stattfinden. Als neues Format wird es einen Surgical Saturday geben, bei dem die Entwicklung der Katarakt- Netzhaut- und Hornahutchirurgie dargestellt und bewertet wird.

Schon der Einführungsvortrag des DOG-Präsidenten und die erste Keynote Lecture lenken den Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit. Hier wird man sich auch fragen, wie vertretbar etwa der umfassende Einsatz der Femtosekundenlaser in der Kataraktchirurgie und die überbordende Verwendung von Verbrauchs- und Verpackungsmaterial im Rahmen von OPs noch sind. Ein Positionspapier zum Thema soll noch in diesem Jahr in der "Ophthalmologie" (Springer Medizin Verlag) erscheinen, die schon in ihrer Juni-Ausgabe die augenärztlichen Ursachen, Folgen und Handlungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit dem Klimawandel umfassend dargestellt hat.

Bereits in der Vorab-Online-Pressekonferenz zum Kongress verwies Professor Gerling auf das weite Feld der Anwendung von regenerativer Medizin, das man in Berlin thematisieren will. Ziel der regenerativen Medizin ist laut Geerling, "Krankheiten, insbesondere degenerative, also oft altersbedingte Zustände, mithilfe von Wachstumsfaktoren, körpereigenen oder auch fremden (allogenen) Stammzellen, zellfreien, zellbesiedelten oder rezellularisierten Kunstgeweben zu behandeln". so werden schon hete neutrotrophe Wachstumsfaktoren, alzelluläre Gewebematrizes oder Stammzellen zur Regeneration des Auges eingesetzt. Seit einigen Jahren verzeichnen Zulassungsstudien beeindruckende Erfolge mit einem Präparat auf Basis eines rekombinanten humanen Nervenwachstumsfaktors. Dabei konnte nach achtwöchiger Therapie bei 72 Prozent der Patient:innen ein kompletter Epthelschluss erreicht werden (Kontrollgruppe nur 33 Prozent). Nachteil: Das Präparat kostet aktuell einen hohen fünfstelligen Betrag.

Als neue Spender bei Hornhautschäden nutzt man Schweine und sogar Fische. Prof. Geerling: "Porcines Gewebe steht in großen Mengen als Abfallprodukt zur Verfügung und kann nach genehmigten Verfahren zellfrei gemacht werden. Mittels Mikrokeratom kann eine solche zellfreie Schweinehornhaut zu einem Stroma-Ersatz zurechtgeschnitten und laserunterstützt in eine Tasche der menschlichen Hornhaut implantiert werden. Dadurch kann die Ausdünnung eines Keratokonus korrigiert und die Hornhautverkrümmung regularisiert werden". Wie der Generalsekretär der DOG, Prof. Dr. med. Claus Cursiefen, berichtete, gibt es verschiedene Ansätze, bei akuten Hornhaut-Notfällen (Perforationen) "biologisch abbaubares Gewebe zu verwenden. Ein Beispiel ist die sogenannte Fischschuppentechnik. Hier wird mittels modifizierter Fischschuppen des Fisches Tilapia ein durchsichtiges und stabiles Transplantat generiert, das dann als Matrix dient und nach und nach vom Empfänger übernommen wird".

Im Rahmen der DOG-Tagung 2022 beleuchten zwei Keynote-Lectures und mehrere Symposien das Thema regenerative Medizin mit Gentherapie und tissue engineering. Prof. Robert McLaren, der die weltweit erste Gentherapie an der menschlichen Netzhaut durchführte und Pro. Paolo Rama, der an der Etablierung der ersten kommerziell erhältlichen Stammzelltherapie und Behandlung von Hornhautoberflächenerkrankungen mittels Nervenwachstumsfaktor beteiligt war, werden in ihren Beiträgen auch die oft sehr hohen Kosten für die Solidargemeinschaft ansprechen.

Info und Anmeldung: https://dog-kongress.de

Fotos: Screenshot



 

 

 

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