20.03.2024 | Diagnostik, Forschung

Diabetes: Regelmäßiges augen­ärztliches Screening ist notwendig

Laut WHO beträgt die weltweite Diabetesprävalenz derzeit etwa 11 %. In Österreich sind zirka 4,6 % der Bevölkerung zuckerkrank, wobei die Tendenz steigend ist.

Foto: pressmaster_stock.adobe.com

Die jährlichen Behandlungskosten der Erkrankung belaufen sich auf insgesamt 20 % der europäischen Gesundheitsbudgets, da Diabetiker:innen häufig mehrere Komorbiditäten aufweisen. 98 % der Typ 2 Diabetiker:innen weisen zumindest eine, 90 % sogar zwei zusätzliche chronische Erkrankungen auf.

Die Diabetische Retinopathie

Bei der diabetischen Retinopathie kommt es zu Veränderungen an den kleinsten Gefäßen der Netzhaut, die bereits in einem frühen Stadium durch Augenärzt:innen in Form von Punktblutungen oder Gefäßwandausbuchtungen (Mikroaneurysmen) entdeckt werden können. In keinem anderen Körperabschnitt ist die Darstellung von Gefäßveränderungen so einfach möglich wie an der Netzhaut. Die minimalen Veränderungen können je nach Stoffwechsellage zum unkontrollierten Wachstum neuer Gefäße führen, die unbehandelt Einblutungen ins Auge oder auch eine Abhebung der Netzhaut verursachen können. „Erst in diesem fortgeschrittenen Stadium der Gefäßschädigung werden Sehverschlechterungen wahrgenommen, zu einem Zeitpunkt, wo bereits ein zum Teil irreversibler Schaden entstanden ist“, erklärt Frau Prim. Priv.-Doz.in Dr.in Katharina Krepler, Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) und Vorständin der Augenabteilung Klinik Landstraße und Donaustadt in Wien. Bei Typ 2 Diabetikern (rund 90 % der Patient:innen) stieg in den letzten Jahren die Zahl an Schäden der Netzhautmitte (diabetisches Makulaödem) an. Das diabetische Makulaödem wird dabei als rasch eintretende Sehverschlechterung oder als Verzerrtsehen von Betroffenen wahrgenommen. Bei dieser Symptomatik ist eine unmittelbare ärztliche Vorstellung angezeigt.

Regelmäßige Augenkontrolle

Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die das gesamte Gefäßsystem des Körpers betrifft: zuerst die kleinen, später auch die großen Blutgefäße. Das Auge ist davon nicht ausgenommen. Bei unerkanntem Diabetes, schlechter Zuckereinstellung oder mangelndem Zugang zum Gesundheitssystem kann es zur Entstehung einer sogenannten diabetischen Retinopathie kommen. „Das Endstadium ist in der westlichen Welt nach wie vor die häufigste Ursache von Erblindung in der berufstätigen Bevölkerung“, berichtet Frau Priv.-Doz.in Dr.in Ulrike Stolba, Diabetesspezialistin an der Augenabteilung Klinik Landstraße und Mitglied der Netzhautkommission der ÖOG. Meist sind bei einem Auftreten der ersten Mikroaneurysmen am Augenhintergrund bereits ähnliche Veränderungen an den kleinen Gefäßen der Nieren nachweisbar. Hier können die Veränderungen Erkrankungen wie etwa Bluthochdruck oder die diabetische Nephropathie auslösen. Das Auge ermöglicht somit einen einfachen Einblick in die Gefäßgesundheit des ganzen Körpers.

Früherkennung ist wichtig

Obwohl der Zugang zum österreichischen Gesundheitssystem niedrigschwellig ist, hat nur etwa ein Drittel der Diabetiker eine ausreichende Bluthochdruck-Therapie und nur die Hälfte der Diabetiker:innen eine regelmäßige Augenkontrolle. Übergewicht erhöht das Risiko, Diabetes Typ 2 zu entwickeln um etwa das 6-fache. Zur Gewichtsreduktion ist die Zusammenarbeit mit Ernährungsberater:innen daher empfehlenswert. Die Betreuung von Diabetiker:innen sollte immer multimodal erfolgen: Allgemeinmediziner:innen, Internist:innen, Neurolog:innen und Dermatolog:innen sind für die best­mögliche Betreuung von Betroffenen essenziell. Sinnvolle Institutionen wären beispielsweise Diabetiker:innenzentren, an denen all diese Fachärzt:innen vertreten sind. ­Dies würde Patient:innen die oft langen ­Anreisen zu einzelnen Ordinationen und somit Zeit und auch Geduld sparen. ­Neben der Kontrolle der Blutwerte und des Blutdruckes müssen Augenhintergrunduntersuchungen, wie sie in den Leitlinien der ÖOG empfohlen werden, Standard in der Diabetiker:innenbetreuung sein. Das ­Augenscreening erkennt oft sehr früh reversible Veränderungen, die durch eine rechtzeitige antidiabetische Therapie kleine Gefäße in anderen Organen und nicht zuletzt auch die großen Blutgefäße des Herz-Kreislaufsystems vor weiteren Schäden schützen können.◗

Anzeige:
ÖGWK Kongress 2024

Quelle: OTS (2023, 12. Okt): Volkskrankheit Diabetes – regelmäßiges Screening bei der Augenärztin / dem Augenarzt notwendig. URL:
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20231012_OTS0003/volkskrankheit-diabetes-regelmaessiges-screening-bei-der-augenaerztin-dem-augenarzt-notwendig

Mehr zum Thema:

Die Universitäts-Augenklinik Graz

Augen auf – Guatemala: Ein Hilfsprojekt aus Österreich

Medizinische Versorgung in einem Schwellenland: Eye Camp im Madonna Austrian Hospital Ihitte in Nigeria

Es ist nicht immer ein Glaukom

Wissenschaft und Realität in der intravitrealen Therapie

Anzeige:
ÖGWK Kongress 2024