30.08.2025 | Glaukom

Das PAUL®-Glaukom Implantat – eine Innovation für fortgeschrittene Glaukome?

Glaukom-Drainage-Implantate (GDI) wie das Baerveldt-Implantat (BVI) oder Ahmed valve Implantat (AVI) sind schon seit langem etablierte operative Verfahren zur Behandlung therapieresistenter Glaukome. Während ihre Drucksenkung effizient ist, sind Komplikationen nicht selten. Seit kurzem ist das PAUL®-Glaukom-Implantat (PGI) von Advanced Ophthalmic Innovations, Singapur, am Markt und wird nun auch in Österreich vertrieben. Das PGI soll durch seine kleinere Tubusgröße post-operative Komplikationen, insbesondere Hypotonien, verringern.

FOTO: Yuri Arcurs / peopleimages.com

Das PGI wurde 2018 CE-zertifiziert, hat eine ähnlich große Platte wie das BVI, ist ebenso ventillos und aus Silikon, unterscheidet sich aber von BVI sowie AVI durch seinen dünneren Tubus. Der äußere Durchmesser ist 0,467 mm und der innere Durchmesser 0,127 mm und somit deutlich kleiner als die anderen großen Drainageimplantate. Die Implantation des PGI erfolgt auf die gleiche Weise, meist superotemporal oder inferonasal. Nach Eröffnen der Bindehaut wird zur temporären Obstruktion der Tubus mit einem 6,0 Prolenefaden intubiert und die Platte 10,0 mm vom Limbus entfernt mit 9,0 Prolene fixiert. Nach dem Kürzen des Tubus auf die erforderliche Länge wird mit einer 26-Gauge Nadel ein Stichkanal formiert und der Tubus eingeführt. Danach wird der Tubus an der Sklera fixiert und dieser entweder mit einem Spenderpatch oder einer vorher präparierten Skleralamelle gedeckt. Der 6,0 Prolenefaden wird daraufhin komplett unter die Bindehaut oder mittels einer Schlaufe teilweise intrakorneal gelegt. So kann der Intubationsfaden nach Bildung einer Bindegewebskapsel um die Platte nach ca. 8 Wochen entfernt werden. Der Intubtionsfaden verschließt das Lumen allerdings nicht komplett, sondern lässt einen minimalen Abfluss weiterhin zu. (1) Alternativ kann der Tubus vorübergehend auch von außen mit einem selbstauflösenden Vicrylfaden ligiert werden.

Drainage Implantate Baerveldt Ahmed PAUL®
Tabus Innerer Ø (mm) 0,305 0,30 0,127
Äußerer Ø (mm) 0,635 0,63 0,467
Ventil ja nein ja


Die Studienlage

Erste Studienergebnisse zeigen nach sechs Monaten, dass der Augendruck von 26,62 mmHg präoperativ auf 12,20 mmHg gesenkt und die Anzahl der drucksenkenden Tropfen von 3,37 Wirkstoffen auf 0,30 reduziert werden konnte. (2) Das ist vergleichbar mit den Ergebnissen der Studie von Koh et al. nach einem Beobachtungszeitraum von einem Jahr und von Tan et al. nach zwei Jahren. (3,4) Die frühoperative Komplikationsrate liegt bezogen auf die Hypotonie nach sechs Monaten bei 5,7 % wobei nur bei einem Patienten eine Applikation von Viskoelastikum notwendig war. Die 1-Jahresergebnisse von Koh et al zeigten, dass beim PGI bei 7 von 82 Patient:innen eine Applikation von Viskoelastikum und bei Tan et al. nur bei 4 Patient:innen von 45 eine zusätzliche Intervention notwendig war. (3) Die Fadenentfernung erfolgte innerhalb der ersten sechs Monate bei 30,2 % der Patient:innen durchschnittlich nach 2,9 Monaten. (2) In den anderen Fällen wurde der intraluminale Faden bei erfolgreicher Drucksenkung belassen. Weitere Komplikationen, wie Hyphäma, Makulaödem und Röhrchenexposition waren selten. Ein Vorteil des kleineren Durchmessers des Tubus besteht weiters darin, dass dieser mit größerem Abstand vom Hornhautendothel implantiert werden kann und so auf Dauer die Gefahr der Hornhautdekompensation minimiert werden soll. Ebenso könnte das Risiko der Bindehauterosion durch den dünneren Tubus reduziert werden. Ergebnisse diesbezüglich werden die Langzeitstudien in den nächsten Jahren bringen.

Fazit für die Praxis

Das PGI ist eine effektive und sichere Option bei therapierefraktären oder sekundären Glaukomen. Es ermöglicht eine deutliche Senkung des Augeninnendrucks und reduziert die medikamentöse Therapie. Die postoperative Druckregulierung ist durch den entfernbaren Prolenefaden einfach steuerbar. Es zeigt ein geringes Komplikationsrisiko, insbesondere bei Hypotonien. Ein geringeres Risiko für Langzeitendothelschäden durch den dünneren Schlauch ist zu erwarten.◗

Univ.-Prof.in Dr.in Barbara Kiss
Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie
Medizinische Universität Wien

FOTO: MARTIN LIFKA

Literatur:
1. Tao LW et al., Clin Exp Ophthalmol. 2020 May;48(4):525-528.
2. Weber C et al., Ophthalmologie. 2022 Dec;119(12):1267-1274.
3. Koh V et al., Ophthalmol Glaucoma. 2020 Sep-Oct;3(5):350-359.
4. Tan MCJ et al., J Glaucoma. 2022 Jun 1;31(6):449-455.

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