Die Geschichte der standardisierten Perimetrie begann 1945 mit dem Goldmann-Perimeter und setzte sich 1974 mit der Entwicklung der statischen Perimetrie fort. Die statische Perimetrie ist nicht zuletzt für die Diagnostik und Progressionsanalyse von Glaukompatient:innen unerlässlich. Trotz technischer Fortschritte bleibt sie aufgrund ihrer Subjektivität und der Abhängigkeit von der Reaktionsbereitschaft, Konzentration und Ermüdung der Patient:innen fehleranfällig. Der ObjectiveFIELD Analyzer (OFA, Konan Medical) nutzt die multifokale pupillographische objektive Perimetrie (mfPOP) und ermöglicht erstmals eine objektive, beidäugige Gesichtsfeldmessung ohne aktive Patientenmitarbeit. Seit dem 13. Oktober 2025 besitzt der OFA ein CE-Zertifikat und ist in Österreich über die Firma Askin erhältlich.

Foto: Konan
Das Funktionsprinzip
Der OFA basiert auf multifokalen, räumlich verteilten Lichtstimuli, die in zahlreichen Testregionen des Gesichtsfeldes präsentiert werden. Die Reaktionen beider Pupillen werden simultan mit Infrarotkameras registriert. Artefakte durch Blinzeln werden automatisch erkannt und korrigiert. Die Empfindlichkeit wird über die Amplitude der Pupillenverengung, die Latenzzeit über die Zeit bis zur maximalen Kontraktion bestimmt. Beide Parameter werden in alterskorrigierte Normdatenbanken eingeordnet. Die Stimuli werden beidäugig, jedoch zeitlich versetzt („interleaved“) präsentiert, um direkte und konsensuelle Reaktionen getrennt zu erfassen. Je nach Protokoll (10°–30°) beträgt die Testzeit 1,5–6 Minuten und liegt damit deutlich unter derjenigen der konventionellen statischen Perimetrie. Die Latenz („Delay“) ergänzt die Empfindlichkeitsmessung um eine zeitliche Komponente und kann frühe neuronale Störungen erfassen, bevor strukturelle Veränderungen sichtbar werden. (1)
Klinische Validierung
Bereits 2011 zeigten erste Studien signifikant geringere Kontraktionsamplituden und verlängerte Latenzen bei Glaukompatient:innen. (2) Eine 2024 publizierte Untersuchung an 25 Offenwinkelglaukompatient:innen und 24 Kontrollen bestätigte eine enge Korrelation zwischen OFA, konventioneller Perimetrie (24-2) und OCT (RNFL), besonders in moderaten bis fortgeschrittenen Stadien. (3) Maddess et al. (2024) berichteten vergleichbare Ergebnisse und eine signifikant verkürzte Testdauer gegenüber der SAP. Damit weist der OFA eine diagnostische Validität auf, die mit etablierten Verfahren konkurriert. (1)
Vorteile und Begrenzungen
Vorteile:
• Objektive Messung ohne aktive Reaktion, geringere Fehleranfälligkeit.
• Simultane beidäugige Untersuchung ohne Abdeckung.
• Kombination von Empfindlichkeit und Latenz erlaubt frühzeitige Funktionsanalyse.
• Kürzere Testdauer ermöglicht effizientes Screening.
• Gute Übereinstimmung mit strukturellen Parametern (OCT).
Begrenzungen:
• Fehlende Fixationskontrolle kann Messqualität beeinflussen.
• Pupillenaktive Medikamente oder Irispathologien können Ergebnisse verfälschen.
Zukunftsperspektiven
Zukünftige Entwicklungen betreffen die Optimierung der Stimulusparameter, adaptive Testverfahren zur weiteren Verkürzung der Messzeit, erweiterte Normdatenbanken sowie den Einsatz von KI-gestützten Analysen zur Progressionsbewertung. Eine telemedizinische Anwendung wäre umsetzbar und wünschenswert.
Zusammenfassung
Der ObjectiveFIELD Analyzer stellt eine vielversprechende Entwicklung in der objektiven Gesichtsfeldmessung dar. Durch die simultane, beidäugige Erfassung pupillographischer Reaktionen und die Kombination von Empfindlichkeits- sowie Latenzparametern bietet er eine valide, patientenfreundliche Alternative zur Standardperimetrie. Klinische Studien zeigen eine enge Korrelation mit konventioneller Perimetrie und OCT-Daten. Trotz verbleibender Limitationen besitzt der OFA das Potenzial, die funktionelle Diagnostik in der Ophthalmologie nachhaltig zu erweitern.
