
Abb. 1: Retroilluminationsfoto einer implantierten refraktiven EDOF ZEN00V
Um Brillenfreiheit auf mehrere Distanzen zu erzielen, wurden traditionellerweise trifokale Intraokularlinsen (IOL) verwendet, um in der Fern-, Mittel- sowie Nahdistanz scharf sehen zu können. Bei diffraktiven IOLs, kommt es hier durch lichtbrechende Elemente, entweder an der Vorder- oder Rückfläche, zu einer Fokussierung einfallender Lichtstrahlen auf die Netzhautmitte. Aufgrund der Streuung kann es jedoch zu einem Verlust von bis zu 20 % des einfallenden Lichts kommen, was Dysphotopsien wie verminderte Kontrastsensitivität, Halos und Glare sowie ein reduziertes Kontrastsehen unter mesopischen Lichtverhältnissen zur Folge haben kann (1-3)
EDOF IOLs
Eine neuere Entwicklung sind Extended-Depth-of-Focus-IOLs (EDOF), die durch diffraktive oder refraktive Elemente in der Linsenoptik zur Generierung eines „EDOF-Kanals“ führen und so eine kontinuierliche Abbildungsqualität von der Ferne bis in die mittlere Distanz gewährleisten sollen. Während bei der erstgenannten Gruppe erneut diffraktive Elemente zum Einsatz kommen, sind bei den refraktiven EDOF-Linsen spezielle Abschnitte in der IOL-Optik mit unterschiedlicher sphärischer Aberration (SA) für die Bündelung der einkommenden Lichtstrahlen verantwortlich. (4) Bei der letztgenannten Technologie erwartet man einen kontinuierlichen Visus von der Fern- bis in die Mitteldistanz mit deutlich weniger störenden Dysphotopsien als bei diffraktiven IOL-Designs. Die unterschiedlichen IOLs können zusätzlich mithilfe einer evidenzbasierten Klassifikation der European Society for Cataract and Refractive Surgery (ESCRS) aufgrund ihrer optischen Performance in Simultaneous-Vision-IOLs mit teilweiser oder vollständiger Tiefenschärfe („Partial Range of Field“ bzw. „Full Range of Field“) eingeteilt werden. (5)
Neues Modell
Eine neue, refraktive EDOF-IOL ist die ZEN00V (Tecnis Puresee, Johnson and Johnson Vision), die aus hydrophobem Acryl besteht. Die IOL ist in Stärken von 5,0 D bis 34,0 D in 0,5-D-Schritten erhältlich und weist eine bikonvexe, vordere wellenfrontoptimierte, asphärische Oberfläche sowie eine posteriore, refraktive Oberfläche auf, die die Schärfentiefe erhöht. Die IOL ist ebenso in torischer Ausführung, mit einem Zylinder von 1 D bis 6 D, erhältlich und man erwartet, aufgrund der gleichen Plattform, eine vergleichbare Rotationsstabilität wie bei der DIU (Tecnis Eyhance Toric II, Johnson and Johnson Vision). (6) Die ZEN00V wurde im Februar 2024 für ausgewählte Länder am europäischen Markt eingeführt und ist mittlerweile in sämtlichen EU-Staaten erhältlich. Sie stellt eine weitere Ergänzung im umfangreichen Sortiment der Presbyopie korrigierenden Intraokularlinsen dar.
Sofern man diese Art von IOL mit einer Mini-Monovision (< 0.75 D Unterschied) oder Monovision (> 0.75 D Unterschied) kombiniert, kann eine Steigerung der Brillenunabhängigkeit erwartet werden. Aktuell wird in der Augenabteilung des Hanusch Krankenhauses in Wien diese Fragestellung genauer untersucht, indem zwei Gruppen zu je 60 Personen ZEN00V IOLs erhalten, entweder mit Zielrefraktion Emmetropie beidseits oder Mini-Monovision. In einer klinischen Studie mit 120 Teilnehmern konnte in der Gegenüberstellung der ZEN00V mit der Monofocal plus IOL ICB00 (Tecnis Eyhance, Johnson and Johnson Vision) bei sphärischem Equivalent (SE) von 0.08 ± 0.32 D und -0.20 ± 0.41 D, ein korrigierter Fernvisus (DCVA) von -0.06 ± 0.08 logMAR und -0.05 ± 0.08 logMAR, fernkorrigierter Intermediärvisus (DCIVA) von 0.13 ± 0.08 logMAR und 0.18 ± 0.14 logMAR und fernkorrigierter Nahvisus von 0.37 ± 0.10 und 0.43 ± 0.16 logMAR, bei gleicher Kontrastsensitivität sowie optischem Störprofil, gefunden werden. (7)
Zusammenfassung
Abschließend kann festgestellt werden, dass die ZEN00V ein Dysphotopsie-Profil aufweist, das sich nur geringfügig von dem einer monofokalen IOL unterscheidet, aber den Patient:innen ein deutlich besseres Intermediärsehen bietet und zusätzlich bei Minimonovision sowie bei gutem Licht ein durchaus brauchbares Lesen ermöglicht.◗
