Die beiden wichtigsten Untertypen sind das hypovolämisches trockene Auge (verminderte Tränensekretion) und das evaporative trockene Auge (oft aufgrund einer Funktionsstörung der Meibom-Drüsen). Diese treten häufig gleichzeitig auf und tragen zur Instabilität des Tränenfilms und chronischen Symptomen bei. (1)
Große Auswirkungen
Im Zusammenhang mit einer Katarakt-OP hat das trockene Auge zwei wichtige Auswirkungen: Zum einen auf die präoperative Messung zur Linsenberechnung und zum anderen auf die postoperative Symptomatik sowie Behandlung. Ältere Menschen haben eine höhere Prävalenz von trockenen Augen und sind gleichzeitig die Hauptkandidaten für eine Katarakt-OP. (2,3) Die Katarakt-OP selbst kann die KCS verschlimmern, indem sie die Hornhautnerven schädigt, Entzündungen hervorruft und die Becherzelldichte verringert. Dies führt zu einer Instabilität des Tränenfilms und verstärkten postoperativen Symptomen.
Man geht davon aus, dass das Auftreten oder die Verschlimmerung des trockenen Auges nach einer Katarakt-OP ein multifaktorieller Prozess ist, der postoperativ zu Tränenfilmstörungen führt. Bisher wurden verschiedene Ursachen publiziert: z.B. eine verminderte Hornhautsensibilität aufgrund einer Durchtrennung der Hornhautnerven, gewaltsames Öffnen der Augenlider, Alter, langanhaltende Lichtexposition, erhöhte Entzündungsfaktoren im Tränenfilm, topische Anästhesie oder Povidon-Iod-Augentropfen vor der Operation, sowie prä- und/oder postoperative Medikamente bzw. Konservierungsmittel. (4-6)
Postoperatives Vorgehen
Postoperativ sollten nicht notwendige Augentropfen reduziert werden, um die Toxizität auf der Augenoberfläche zu minimieren. Bei anhaltender Entzündung kann eine kurzfristige Gabe von Kortikosteroiden erforderlich sein. (7) Die Überwachung eines anhaltenden trockenen Auges ist wichtig, da die Symptome noch Wochen bis Monate nach der OP bestehen bleiben können. (8,9) Frühere Studien untersuchten die Wirkung verschiedener Substanzen auf das postoperative trockene Auge, wie etwa Hyaluronsäure/Trehalose, Carbomer-Natriumhyaluronat-Trehalose und Natriumhyaluronat-Augentropfen, Diquafosol, Hydroxypropylguar und Hyaluronsäure oder Cyclosporin 0,05 %. (5, 10-13) Obwohl einige Studien eine Verbesserung in der postoperativen Phase feststellten, war dieser Effekt nicht in allen Studien präsent. Patient:innen mit vorbestehender Meibom-Drüsen-Dysfunktion (MGD) wiesen selbst bei routinemäßiger postoperativer entzündungshemmender Behandlung höhere Konzentrationen von Entzündungsmediatoren auf als Patient:innen ohne vorbestehende MGD. (14) Daher war bei Patient:innen mit MGD die Wahrscheinlichkeit einer langsameren Hornhautregeneration höher. Die meisten Patient:innen, bei denen eine Kataraktoperation geplant war, hatten ein trockenes Auge. 62,9 % hatten einer Tränenfilmaufreißzeit (TBUT) von 5 Sekunden oder weniger und 77 % hatten eine positive Hornhautfärbung. (3) Daher ist es essenziell zu wissen, wie sich das präoperative trockene Auge auf die Variabilität der okulären biometrischen Messungen bei Patient:innen mit Katarakt auswirkt.
Präoperative Messungen
Das trockene Auge und andere Erkrankungen der Augenoberfläche – wie die epitheliale Basalmembrandystrophie, die Salzmannknotendegeneration und das Pterygium –verursachen unregelmäßigen Astigmatismus und Aberrationen höherer Ordnung, welche die Zuverlässigkeit präoperativer Keratometrie-, Hornhauttopografie- sowie Biometriemessungen direkt beeinträchtigen können. (15-16) Diese Oberflächenunregelmäßigkeiten führen zu schwankenden Hornhautbrechkraftwerten, einem instabilen Tränenfilm und somit zu einer ungenauen Beurteilung der Hornhautkrümmung sowie des Astigmatismus. Infolgedessen werden die Berechnung der Intraokularlinsenstärke, die Auswahl der Achse und Stärke torischer IOLs, sowie die gesamte refraktive Planung unzuverlässig, was das Risiko postoperativer Residualfehler und die Unzufriedenheit der Patient:innen erhöht. (16-18) Eine ungenaue Biometrie aufgrund eines unbehandelten trockenen Auges kann sich in unerwarteten Brechungsergebnissen äußern, einschließlich myopier oder hyperoper Verschiebungen und einer suboptimalen Korrektur des Astigmatismus, insbesondere wenn IOLs mit fortschrittlicher Technologie (z. B. torische, multifokale oder Linsen mit erweiterter Tiefenschärfe) verwendet werden. (16-18)
Die American Academy of Ophthalmology und aktuelle Studien betonen, dass die präoperative Biometrie bei trockenen Augen vor der IOL-Berechnung sorgfältig auf ihre Genauigkeit überprüft werden muss, da diese Faktoren maßgeblich zu verbleibenden Brechungsfehlern nach einer Katarakt-OP beitragen. (19)
| Die Erstlinientherapie | Bei Funktionsstörungen der Meibomdrüsen | Entzündungshemmende und immunmodulatorische Wirkstoffe | Fortgeschrittene Therapien für therapieresistente Fälle |
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Optimierung der okulären Oberfläche
Die präoperative Optimierung des trockenen Auges ist für eine genaue Berechnung der IOL-Stärke und verbesserte refraktive Ergebnisse unerlässlich. Zu den empfohlenen Strategien gehören: ein routinemäßiges Screening auf trockene Augen und Erkrankungen der Augenoberfläche vor der Operation, gefolgt von einer intensiven, auf den Schweregrad der Erkrankung abgestimmten, Behandlung. (18,19)
Frühere Studien haben gezeigt, dass ein instabiler Tränenfilm und eine Verfärbung der Augenoberfläche zu einer ungleichmäßigen Brechungsoberfläche und somit zu abnormen optischen Aberrationen führen können. (21) Diese Faktoren können zudem die Genauigkeit und Wiederholbarkeit biometrischer Messungen des Auges verringern. (21) Patient:innen mit Tränenhyperosmolarität wiesen eine höhere Variabilität der mittleren Keratometrie (K) und des Hornhautastigmatismus auf, was potenziell zu Fehlern bei der Berechnung der IOL-Stärke führen kann. (21,22) Epitropoulos et al. zeigten, dass die durchschnittliche K-Variabilität in der hyperosmolaren Gruppe (n = 50) im Vergleich zur normalen Gruppe (n = 25) signifikant hoch war. Shin et al. zeigten, dass eine negative Korrelation zwischen der durchschnittlichen NIBUT („non-invasive break up time”) und den beobachteten absoluten Unterschieden bei Kmax und Astigmatismus bestand. (21)
Verbesserte Ergebnisse
Kim et al. analysierten den MAE einen Monat postoperativ in zwei Gruppen: eine Gruppe ohne präoperative Behandlung und eine andere Gruppe, die 2 Wochen vor der Kataraktoperation eine präoperative Behandlung erhielt, darunter Loteprednoletabonat-Augentropfensuspension 0,5 %, Cyclosporin-A-Augentropfenemulsion 0,05 % und warme Kompression. (23)
In der Gruppe ohne präoperative Behandlung traten refraktive Überraschungen mit einer Rate von 17,3 % (n = 9) unter Verwendung der SRK/T-Formel und 15,4 % (n = 8) unter Verwendung der BUII-Formel auf. (23) Nach der präoperativen Behandlung mit topischen Steroid-Augentropfen verringerten sich die refraktiven Überraschungen jedoch signifikant auf 3,8 % (n = 2) unter Verwendung der SRK/T-Formel und auf 1,9 % (n = 1) unter Verwendung der BUII-Formel, was auf einen signifikanten Unterschied hindeutet. (23)
Zusammenfassung
Die Erstuntersuchung und Risikostratifizierung vor einer Katarakt-OP sollte eine prä- und postoperative Bewertung der Augenoberfläche mithilfe validierter Instrumente wie dem Ocular Surface Disease Index (OSDI), der Tränenfilmaufreißzeit (TBUT), dem Schirmer-Test und der Hornhaut-/Bindehautfärbung umfassen. (8,24) Der Ocular Surface Frailty Index (OSFI) kann bei der Identifizierung von Hochrisikopatient:innen helfen, die von einer intensiveren Therapie profitieren könnten. (8)
