
Fotos: Sonnenblatt Designstudio
Im Laufe der Arbeit wurden folgende zwei Forschungsfragen beantwortet:
1. Welche Schlüsselrolle spielen Schulen bei der Umsetzung wirksamer Strategien zur Prävention und Kontrolle von progressiver Myopie?
2. Welche Maßnahmen können zur Optimierung der Präventionsbemühungen an Schulen eingeführt werden?
Methodik
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und vier qualitativen Expert:inneninterviews. Für die Interviews wurden zwei Schuldirektor:innen und zwei Orthoptist:innen befragt. Die Interviews wurden anschließend mithilfe der inhaltlich-strukturierender Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet.
Ergebnisse
Die durchgeführten Interviews zeigen, dass Schulen ein großes Potenzial in der Myopieprävention haben, bisher aber kaum entsprechende Maßnahmen umsetzen. Während einzelne Pädagog:innen und Eltern ein wachsendes Interesse an Prävention zeigen, fehlt es meist an Wissen und einer strukturierten Zusammenarbeit mit der Augenheilkunde. Als Schlüsselpersonen würden hierbei vor allem die Pädagog:innen, die Schulleitung, die Erziehungsberechtigten der Kinder und die Ophthalmolog:innen beziehungsweise Orthoptist:innen gelten. Bestehende Projekte und Workshops zeigen erste Erfolge, werden jedoch derzeit noch zu selten durchgeführt. Besonders betont wurde die Notwendigkeit von mehr Information und Fortbildungen für das Lehrpersonal, um präventive Strategien wie vermehrte Pausen, Outdoor-Aktivitäten und Aufklärung der Schüler:innen gezielt im Schulalltag zu verankern. Auch die richtige Gestaltung sowie Beleuchtung des Klassenzimmers und damit eines augenfreundlichen Arbeitsplatzes wird als wichtiger Präventionsfaktor gegen das Fortschreiten der Myopie gesehen.
Zusammenfassung
Sowohl in der Literatur als auch in den Interviews wird die Relevanz der Myopieprävention im schulischen Umfeld hervorgehoben. (7, 8) Die Expert:innen betonen, dass Schulen eine Schlüsselrolle einnehmen könnten, da Kinder dort einen Großteil ihrer Zeit verbringen. (7) Sowohl pädagogische als auch medizinische Fachkräfte sind offen für eine engere Zusammenarbeit, um das Sehvermögen der Schüler:innen zu schützen und Lernprobleme aufgrund von visuellen Beeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen. Derzeit mangelt es jedoch an klaren Konzepten, ausreichendem Wissen und festen Kooperationen mit der Augenheilkunde. Um die Prävention an Schulen zu optimieren, ist eine verstärkte Aufklärungsarbeit bei Lehrkräften und Eltern notwendig. Regelmäßige Informationsveranstaltungen könnten dazu beitragen, das Lehrpersonal für das Erkennen von Myopie zu sensibilisieren. Außerdem sollten auch Eltern über den Einfluss regelmäßiger Augenuntersuchungen und ihres eigenen digitalen Medienkonsums informiert werden.
Schlussfolgerung
Um also langfristig die Sehgesundheit von Schüler:innen zu verbessern, sollten:
1. Fortbildungen für Lehrkräfte zur Myopieprävention angeboten werden.
2. Regelmäßige Augenuntersuchungen in Schulen implementiert werden.
3. Pausen- und Outdoor-Konzepte verstärkt in den Schulalltag integriert werden.
4. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Schulen, Gesundheitsberufen und Erziehungsberechtigten gefördert werden.
Im beruflichen Alltag sollten Orthoptist:innen und Augenärzt:innen stets wachsam in Bezug auf die progressive Myopie sein. Eine umfassende Aufklärung der Patient:innen sowie ein rechtzeitiger Behandlungsbeginn stellen hierbei zwei wichtige Faktoren dar. Die Frage nach dem visuellen Wohlbefinden der Kinder in der Schule kann darüber hinaus helfen, zu analysieren, ob und welche Veränderungen im schulischen Umfeld notwendig sind. All diese Maßnahmen können dazu beitragen, die steigende Myopie-Prävalenz einzudämmen und die Augengesundheit zukünftiger Generationen zu schützen.◗