17.12.2025 | Forschung

ABC Fall: Rezentrierung einer dislozierten Artificial Iris mittels Flanging-Technik

Eine 32-jährige Patientin wird aufgrund einer dislozierten Artificial Iris (AI) o.d. an unsere Abteilung überwiesen. Die AI-Implantation kombiniert mit einer IOL liegt bereits 16 Jahre zurück und erfolgte nach einem perforierenden Bulbustrauma (Autounfall) in einem anderen Bundesland. Bei bekanntem posttraumatischen Sekundärglaukom wurde vor 10 Jahren extern ein XEN-Implantat eingesetzt und es besteht eine ergänzende Dauertherapie mit Timophtal. Subjektiv bemerkt die Patientin seit einigen Monaten ein vermehrtes Blendungsempfinden rechts.

Der bestkorrigierte Fernvisus beträgt bei der Erstvorstellung 0.1/1.0 und der IOD 37/15 mmHg. An der Spaltlampe zeigt sich am rechten Auge im Vorderabschnitt eine nach superior dislozierte AI (Abb. 1) bei partiellem Restirisgewebe von 7-3 Uhr mit „Iris Retraction Syndrom“ sowie ein XEN-Implantat bei 1 Uhr mit flachem Sickerkissen. Funduskopisch präsentiert sich eine glaukomatös exkavierte Papille mit einer Cup/Disc-Ratio von 0.8. Das linke Auge zeigt einen ophthalmologisch altersentsprechenden Befund.

Zusammen mit der Patientin entscheiden wir uns für eine operative Rezentrierung der AI mit dem primären Ziel der Linderung ihrer Blendungsempfindlichkeit rechts und in der Hoffnung, das „Iris Retraction Syndrom“ zu lindern. Die vorliegende Matrix Artificial Iris mit Fibre besteht aus pigmentiertem Silikon mit Polymergewebe und ist für Fälle mit indizierter Nahtfixierung ­geeignet.

Die Operation

Zuerst erfolgt eine gründliche anteriore ­Vitrektomie, wobei Augenmerk auf die Herstellung einer Kommunikation zwischen Vorderkammer (VK) und Glaskörperraum gelegt wird. Als Nächstes wird an einem Ende der 6-0 Prolenenaht mittels Kauter ab externo ein Flansch geformt. Über die Parazentese wird das andere Ende der ­Prolenenaht daraufhin in die VK eingeführt. Anschließend wird mittels Forceps Needle (®Geuder) 3 mm vom Limbus entfernt die Sklera punktiert und das posteriore und anteriore Kapselblatt sowie die AI bei 6 Uhr durchstochen. Die Prolenenaht in der VK wird mittels Forceps Needle gegriffen (Abb.5a), externalisiert (Abb. 5b) und soweit durchgezogen, bis das geflanschte Ende an der AI stoppt (Abb. 5c-d). Durch weiteren Zug kann die AI wieder nach inferior gezogen und somit rezentriert werden. Die externalisierte Prolenenaht wird gekürzt und unter Zug mittels Kauter ein Flansch geformt (Abb. 5d), welcher gut unter Tenon und Konjunktiva zu liegen kommt.

Der postoperative Verlauf gestaltet sich komplikationslos, sodass die Patientin am Folgetag wieder nach Hause entlassen werden kann. Bei der ersten postoperativen Kontrolle präsentiert sich die ­Patientin ­beschwerdefrei und mit deutlicher Verbesserung der subjektiven Blendungsempfindlichkeit bei unverändertem Visus. Der IOD ist auf 14 mmHg gesunken. An der Spaltlampe (Abb. 2a-b) sowie im Vorderabschnitts-OCT (Abb. 4) zeigen sich eine gut zentrierte AI mit sklerafixiertem Flansch bei 6 Uhr und der Kammerwinkel ist etwas weiter geöffnet.

Ass. Dr.in Christina Brunbauer, BSc.
Akademisches Lehrkrankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien
Abteilung für Augenheilkunde


Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Amon
Akademisches Lehrkrankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien
Abteilung für Augenheilkunde
www.barmherzige-brueder.at

Fotos: Privat

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