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Blepharitis
Die Blepharitis ist eine häufige Erkrankung der Augenlider und kann akut oder chronisch auftreten. Sie betrifft hauptsächlich Lidrand, Wimpernfollikel und Meibomdrüsen und ist oftmals Auslöser chronischer, rezidivierender Augenreizungen und lokaler Entzündungen. Eine Blepharitis hat eine Vielzahl verschiedener Ursachen. Häufig spielen Bakterien der kommensalen Hautflora (z.B. Staphylokokken) oder lokale virale Infektionen, Demodex-Milben beziehungsweise eine bestehende Meibomdrüsen-Dysfunktion eine Rolle. Ebenso können entzündliche Hauterkrankungen (z.B. Rosazea, atopische Dermatitis), aber auch lokale Irritationen (z.B. durch Kosmetika-Anwendung) mit der Entstehung einer Blepharitis assoziiert sein. Durch die pathologische Veränderung und Anhäufung von Lipiden des Meibomdrüsensekretes und anderen Substanzen am Lidrand und deren Zersetzung durch Bakterien kommt es zur Entstehung eines proinflammatorischen Milieus. Dies bietet ideale Wachstumsbedingungen für weitere Bakterien. Die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren und bakteriellen Toxinen verstärkt daraufhin die Inflammation und führt zu den typischen Symptomen wie Rötung, Brennen, Schwellung, verstärkten Tränen und Juckreiz.
Antisepsis statt Antibiose
Antiseptika sind chemische Substanzen und wirken unspezifisch keimreduzierend auf bakterielle, virale und andere mikrobielle Erreger. Breit wirkende Antiseptika wie Povidon-Jod spielen in der Augenheilkunde im präoperativen Management eine wichtige Rolle. Sie reduzieren die kommensale Bakterienlast der Augenoberfläche vor einem chirurgischen Eingriff effektiv. Im Gegensatz dazu wird die topische Applikation von Antibiotika in diesem prophylaktischen Kontext kontrovers diskutiert. Umfangreiche Meta-Studien zeigten keinen eindeutigen positiven Effekt einer topische Antibiotika-Prophylaxe im Vergleich zu Placebo auf die Entstehung einer Endophthalmitis nach Kataraktoperation oder nach intravitrealen Injektionen. Auch für die Therapie von bakteriellen Augeninfektionen wird die Anwendung von Antiseptika als wirksame Therapieoption diskutiert. Für den direkten Vergleich von antibiotischer versus antiseptischer Therapie der infektiösen Blepharitis fehlen derzeit vergleichende Studien, jedoch zeigen präklinische Daten einen Effekt auf die Keimeliminierung und die Reduktion klinischer Symptome (z.B. Hyperämie). Zur antiseptischen Therapie der nichtinfektiösen Blepharitis stehen aktuell die Bibrocathol-Augensalbe als gut verträgliche und langjährig-etablierte Option sowie seit kurzem Hexamidin-basierte Augentropfen zur Verfügung. Beide Arzneimittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und können bei Erwachsenen und Kindern angewendet werden. Die Wirkung der zweiprozentigen (20 mg/g) Bibrocathol-Augensalbe beruht auf dem Bestandteil Bibrocathol, einer bismuthhaltigen Substanz. Diese hat eine antiseptische, adstringierende und sekretionshemmende Wirkung und kommt auch bei gastrointestinalen Erkrankungen aufgrund ihrer Effektivität gegen Helicobacter pylori (z.B. bei Gastritis) zum Einsatz. Über verschiedene Mechanismen führt Bibrocathol zur Hemmung des Wachstums und Kolonialisierungsrate der Bakterien. Der adstringierende Effekt auf Schleimhäuten verringert zudem die Entzündung. Hexamidin-haltige Augentropfen haben konzentrationsabhängig durch die Hemmung des Energiestoffwechsels der Bakterien eine bakteriostatische oder bakterizide Wirkung.
Zusammenfassung
Antiseptika sind eine sichere und wirksame Therapieoption für die Behandlung von nichtinfektiösen Lidrandentzündungen. Sie besitzen ein breites Wirkungsspektrum auf verschiedene Erreger und können dadurch mögliche Infektionen verhindern. Resistenzen sind für die meisten antiseptischen Substanzen nicht zu erwarten. Deshalb sollte für die präoperative Optimierung der Augenlider und Augen-Oberfläche eine antiseptische Therapie von Lidrandentzündungen vor dem prophylaktischen und unkritischen Einsatz von topischen Antibiotika in Betracht gezogen werden. Bei ausbleibender Verbesserung oder Verschlechterung der Symptome sowie schweren und infektiösen Befunden ist nach wie vor der Einsatz von Antibiotika angezeigt.◗