29.08.2025 | Forschung

Die Verträglichkeit multifokaler IOLs: Ergebnisse einer Simulationsstudie

Die steigende Nachfrage nach Brillenunabhängigkeit führt zur Entwicklung immer neuer Ansätze und auch Intraokularlinsen (IOLs). Die Bandbreite verfügbarer IOL-Designs ist groß und die Auswahl eines geeigneten Linsentyps erfolgt in der Regel durch Augenärzt:innen nach einem Beratungsgespräch im Zuge der präoperativen Diagnostik. Der subjektive Seheindruck durch eine IOL ist dabei entscheidend für die postoperative Zufriedenheit.


Die individuelle Verträglichkeit ist stark durch patientenspezifische, subjektive Wahrnehmungen geprägt und lässt sich anhand objektiver Untersuchungsparameter nur schwer vorhersagen. Bislang standen lediglich begrenzte technische Möglichkeiten zur Verfügung, um Patient:innen mit dem Wunsch nach Brillenunabhängigkeit nach der Kataraktoperation bereits vor der Implantation eine realitätsnahe Vorstellung des Seheindrucks mit unterschiedlichen IOL-Typen zu vermitteln. Die Frage, wie gut eine bestimmte IOL individuell vertragen wird und welche Option tatsächlich, die richtige für die Betroffenen ist, konnte bislang nur unzureichend beantwortet werden. Insbesondere Patient:innen, die sich einem refraktiven Linsenaustausch unterziehen, können von diesen Systemen profitieren.

Präoperative Simulation

Aktuell sind auf dem europäischen Markt drei verschiedene Geräte zur präoperativen Simulation von IOLs erhältlich. Neben dem VAO-Optik-Simulator und dem Visuellen Simulator von SimVis Gekko (beide mit Firmensitz in Spanien) existiert mit dem Real Artificial Lens Vision (RALV) – System von DEZIMAL (Österreich) – eine innovative Technologie. Alle Geräte basieren auf völlig unterschiedlichen Funktionsprinzipien. Die Funktionsweise des RALV-Systems basiert darauf, dass Patient:innen durch die Optik des Geräts blicken, in welches die zu testende IOL eingesetzt wird. Dadurch wird der visuelle Eindruck simuliert, als wäre die IOL bereits in das Auge implantiert. Die Test-IOL befindet sich dabei in einer mit Flüssigkeit gefüllten Küvette, dem sogenannten „IOL-Shuttle“. Dieses Design ermöglicht einen schnellen und unkomplizierten Austausch verschiedener IOL-Modelle und -Optiken, darunter monofokale, EDOF-, multifokale refraktive und diffraktive Linsen. Somit können diese verfügbaren Optionen vor der Implantation direkt miteinander verglichen und die für die individuellen visuellen Bedürfnisse der Patient:innen am besten geeigneten IOL identifiziert werden. RALV ist kein Simulator im herkömmlichen Sinne, stattdessen verwendet es ein komplexes Linsensystem, in welches echte IOLs eingesetzt werden.

Klinischer Nutzen

In unserer Abteilung haben wir eine präklinische Studie unter Verwendung des RALV-Geräts durchgeführt, um dessen klinischen Nutzen zu evaluieren. In diese Studie wurden 30 gesunde Proband:innen im Alter von 18 bis 40 Jahren eingeschlossen. Mithilfe des RALV-Systems war es möglich, den monokularen, postoperativen Seheindruck für unterschiedliche IOL-Modelle zu simulieren und zu vergleichen. Hierfür war kein chirurgischer Eingriff erforderlich. Im Rahmen der Untersuchung erfolgten detaillierte Messungen des Visus in der Ferne, Nähe und im Intermediär-Bereich, der Blendungsempfindlichkeit sowie der Kontrastempfindlichkeit. Darüber hinaus wurde für jede getestete IOL eine Defokuskurve erstellt. Die subjektive Präferenz der Patient:innen bezüglich der simulierten Sehleistung wurde ebenfalls systematisch evaluiert. Als Studienlinsen dienten die Rayner ­Galaxy IOL mit asphärischer Optik und verbesserter Tiefenschärfe sowie die ­RayOne Trifocal IOL.

Ergebnisse

Die Ergebnisse unserer Studie zeigten, dass die RayOne Galaxy IOL eine signifikant höhere Sehschärfe im Intermediär­bereich (p = 0,005) im Vergleich zur diffraktiven Trifocal IOL aufwies, ohne dabei die Sehschärfe in der Nähe oder Ferne negativ zu beeinflussen. Weiters konnte gezeigt werden, dass die Galaxy IOL die Blendungsempfindlichkeit signifikant reduzierte (p < 0,00001) und eine tendenziell bessere Kontrastempfindlichkeit (p = 0,051) bot. Im direkten subjektiven Vergleich präferierten beeindruckende 90 % der Studienteilnehmer:innen die mit der ­Galaxy-IOL simulierte Sehleistung. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das RALV-System eine wertvolle Methode darstellt, um verschiedene IOLs präoperativ zu testen und miteinander zu vergleichen, ohne dass dabei eine chirurgische Implantation notwendig ist. Dies ermöglicht Betroffenen eine fundiertere Auswahl der optimalen IOL.◗

Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Günal Kahraman
Akademisches Lehrkrankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien
Sigmund Freud University Vienna
Abteilung für Augenheilkunde
www.doktorkahraman.at

FOTO: privat

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