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Die Arbeit an einer Uniklinik bietet jungen Ärzt:innen ein besonders spannendes Umfeld und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Neben einer großen Bandbreite an Erkrankungen zeichnet sich die Tätigkeit vor allem auch durch komplexe Fälle und interdisziplinäre Zusammenarbeit aus. Zusätzlich besteht Zugang zu modernster Diagnostik, neuesten Therapien und der Infrastruktur einer Universität. Die Arbeit an einem Universitätsklinikum kommt auch mit der Chance – und in gewisser Weise auch Verpflichtung – sich aktiv an der Forschung und Lehre zu beteiligen. Dieser Mix aus großer klinischer Bandbreite, Wissenschaft und Innovation war für uns der entscheidende Grund, die Ausbildung am Kepler Universitätsklinikum zu absolvieren.
Balanceakt zwischen Klinik und Forschung
Gerade in einem dynamischen Fach wie der Augenheilkunde spielen Wissenschaft und Forschung eine große Rolle. Hier steht aus junger (wissenschaftlicher) Perspektive vor allem die Vereinbarkeit von Klinik und Forschung im Vordergrund. Das Clinician Scientist Programm an der Johannes Kepler Universität stellt hier einen guten Kompromiss dar: Foschungsinteressierte Ärzt:innen können im Rahmen des Doktoratsstudiums Medical Sciences eine Forschungsfreistellung im Ausmaß von 10h/Woche über drei Jahre beantragen, ohne dadurch die Ausbildungszeit zu verlängern. Auch die Anrechenbarkeit des wissenschaftlichen Moduls als Sonderfach-Schwerpunktausbildung ist ein Schritt Richtung einer stärkeren Verzahnung von klinischer Praxis und Forschung. So wird der wissenschaftliche Nachwuchs gezielt unterstützt.
Digitalisierung
Die Augenheilkunde erlebt gerade, wie so viele andere Fachbereiche in der Medizin auch, einen spannenden Wandel: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nehmen zunehmend einen größeren Stellenwert ein. Neue Technologien und Geräte ermöglichen immer präzisere Diagnosen und Therapien, während telemedizinische Lösungen die Effizienz steigern und digitale Patientenportale eine einfache Terminplanung sowie verbesserte Kommunikation zwischen Arzt und Patient ermöglichen. Dabei hat die Ärzteschaft die große Verantwortung, die aktuellen Entwicklungen aktiv mitzugestalten, um zu verhindern, dass uns die Industrie ihre Vorstellungen in Bezug auf Technologie und Prozesse aufzwingt.
Trotz all dieser Fortschritte spielt die Menschlichkeit in einem so sensiblen Fach wie der Augenheilkunde immer noch eine essenzielle Rolle: immerhin geht es um das Augenlicht. KI wird in vielen Bereichen eine wertvolle Unterstützung für Ärzt:innen bieten, aber kein Large Language Model kann die Ängste der Patient:innen verstehen oder ihnen die nötige emotionale Unterstützung bieten, die sie nach der Überbringung einer schwerwiegenden Diagnose brauchen.
Herausforderungen und ihre Lösungsansätze
Herausforderungen in der Augenheilkunde sind neben wachsender Patientenzahlen auch der zunehmende Mangel an Fachärzt:innen und dadurch bedingt höhere Arbeitsbelastungen für bestehendes Personal. Zudem kommt es zu längeren Wartezeiten für Patient:innen und eingeschränkte Ausbildungsmöglichkeiten junger Kollegen. Zu den klinischen Verpflichtungen der Ärzt:innen kommt auch noch der Forschungs- und Lehrauftrag. Um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken, sollten personelle und strukturelle Ressourcen aufgestockt werden. Aus weiblicher Sicht stellt vor allem die Zukunftsplanung eine wesentliche Schwierigkeit dar. Während der Spagat zwischen Wissenschaft und Klinik bereits herausfordernd ist, kommt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als zusätzlicher Faktor hinzu. Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle um so eine Teilvereinbarkeit zu gewährleisten sind langfristig notwendig. Dies gewinnt vor dem Hintergrund besondere Dringlichkeit, dass mittlerweile rund zwei Drittel der Medizinstudierenden Frauen sind: eine demografische Realität, die sich in zukünftigen Versorgungsstrukturen widerspiegeln muss.
Mentorship in Theorie und Praxis
Eine große Rolle spielen auch Mentor:innen. Im Laufe des Studiums sowie im späteren Arbeitsalltag begegnet man vielen beeindruckenden Persönlichkeiten – Menschen, die nicht nur durch ihre fachliche Expertise, sondern auch durch ihre Persönlichkeit und ihre Herangehensweise an Probleme nachhaltig in Erinnerung bleiben. Das Entwickeln einer eigenen Zukunftsvision bedarf gerade solcher Mentor:innen, die nicht nur Wissen und Erfahrung weitergeben, sondern auch als Vorbilder dienen. Sie können junge Ärzt:innen dabei unterstützen, ihre Stärken zu erkennen, berufliche Ziele zu definieren und Herausforderungen selbstbewusst entgegenzutreten. Die Rolle als Mentor:in sollte nicht unterschätzt werden und an dieser Stelle auch als Anregung dienen, selbst im eigenen beruflichen Umfeld nach Möglichkeiten zu suchen, junge Kolleg:innen aktiv zu unterstützen. Mentor:innen prägen Karrieren und die Chance, eine solch prägende Rolle für andere einzunehmen, ist ebenso erfüllend wie bedeutsam.
Augenheilkunde quo vadis?
Um die Augenheilkunde in einer sich rasant wandelnden Welt – geprägt von technologischem Fortschritt und einer alternden Bevölkerung – zukunftssicher zu gestalten, braucht es mehr als bloß frische Arbeitskräfte. Junge Ärzt:innen bringen neue Perspektiven mit, sind digital versiert und auch offen für neue Technologien. Mit einer gewissen jugendlichen Naivität und dem Mut etablierte Dogmen zu hinterfragen, kann die junge Generation eine treibende Kraft hinter der Erneuerung und Weiterentwicklung etablierter Standards sein. Der Wille zur interdisziplinären Zusammenarbeit über die Grenzen des Krankenhauses hinaus, sowie der Blick über den Tellerrand sind dabei zentrale Bausteine für eine moderne und zukunftsorientierte Ophthalmologie.◗


