Auf der Suche nach einer anderen Spezialisierung machte sie einen Stopp in der Augenheilkunde. Nach einer erfolgreichen Katarakt-Operation sagte ein älterer Herr zu ihr: „Doutora, Sie sind wunderschön. Gestern konnte ich Sie noch nicht sehen, aber heute schon!“ Da wusste die Mosambikanerin, dass sie Augenärztin werden möchte. „Ich liebe es einfach, zu operieren und am nächsten Tag kann man bereits die Ergebnisse sehen“, sagt sie. So schön es ist, von einem Tag auf den anderen zu arbeiten, so wichtig ist für Dr.in Mariamo Abdala auch die langfristige Planung. Damit ist sie eine wertvolle Partnerin von Licht für die Welt. Das gemeinsame Ziel: Die augenmedizinische Versorgung am wichtigsten Krankenhaus des Landes und damit für ganz Mosambik langfristig verbessern.
Augengesundheitsprogramm
2012 übernahm sie das nationale Augengesundheitsprogramm des mosambikanischen Gesundheitsministeriums. Zu dieser Zeit hat auch Licht für die Welt Dr.in Mariamo Abdala kennengelernt. Der Organisation war schnell klar: Die Zielstrebigkeit von Dr.in Abdala ist einzigartig. Mit ihr haben wir heute immer noch eine großartige Partnerin. Seit inzwischen drei Jahren leitet Dr.in Abdala die augenmedizinischen Services am Zentralspital Maputo: „Ich liebe meinen Job. Ich liebe es, Menschen zu helfen.“
Licht für die Welt arbeitet seit vielen Jahren daran, die Augengesundheit in Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik und Uganda zu verbessern. Seit 2019 mit besonderem Fokus auf Kinderaugengesundheit. Durch das Programm „1, 2, 3,…I can see!“ wird in Kooperation mit den Regierungen der vier Länder die Basisversorgung für Kinderaugengesundheit etabliert. 2030 sollen die Länder das Programm übernehmen.
Vier Länder – vier Phasen
- 2019–2020 Vorbereitungsphase: Entwicklung der Programmvision mit den Ländern
- 2021–2024 Phase 1: Grundlagenarbeit und Investitionen in Aus- und Weiterbildung von Fachkräften
- 2025–2027 Phase 2: Ausbau der augenmedizinischen Versorgung, Konsolidierung der Maßnahmen und Integration in das jeweilige nationale Gesundheits- und Bildungssystem
- 2028–2030 Phase 3: Augenmedizinische Versorgung von Kindern nachhaltig sicherstellen: die Gesundheitsministerien übernehmen Verantwortung für das Weiterführen des Programms
Jetzt ist Zeit, die Erfolge der ersten Phase zu feiern und auf die nächsten Schritte zu blicken.
Fachpersonal
Der größte Erfolg der ersten Phase sind die ausgebildeten Kinderaugenärzt:innen. In allen vier „1, 2, 3….I can see!“ Ländern gibt es nun Augenärzt:innen, die eine Subspezialisierung absolviert haben. Weil in den vier Ländern die Subspezialisierung für Kinderaugengesundheit (noch) nicht existieren, haben die Ärzt:innen diese an Universitäten z.B. in Indien absolviert. In einem so genannten Bonding Agreement ist festgehalten, dass Licht für die Welt die Ausbildungskosten übernimmt, während die Mediziner:innen sich dazu verpflichten, mindestens vier Jahre im öffentlichen System zu arbeiten. Mit der entsprechenden Expertise im Land können zukünftig auch nationale Subspezialisierungsprogramme etabliert werden. Dies ist bereits für Äthiopien und Uganda geplant.
Neben der Subspezialisierung der Kinderaugenärzt:innen hat Licht für die Welt auch Anästhetist:innen, Geburtshelfer:innen, Allgemeinmedizinier:innen, Kinderärzt:innen und Lehrer:innen in Augenmedizin weitergebildet. Alle spielen eine wichtige Rolle, um Augenprobleme bei Kindern frühzeitig zu erkennen und entsprechend behandeln zu können.
Dr.in Tapuwa Gundana
In Dr.in Mariamos Team hat Dr.in Tapuwa Gundana die Subspezialisierung zur Kinderaugenärztin absolviert. „Ich bin sehr glücklich, dass ich die Ausbildung zur Kinderaugenärztin machen konnte. Kinder sind unsere Zukunft“, sagt Dr.in Gundana über ihre Weiterbildung, die sie mit Unterstützung von Licht für die Welt in Tansania erfolgreich abgeschlossen hat. Das Spital in Maputo ist das Überweisungsspital des gesamten Landes. Jeden Tag kommen viele Kinder mit Augenproblemen. Noch fehlt es an Geräten und Infrastruktur, um alle zu behandeln: „Das Zentralspital sollte eigentlich das am besten ausgerüstete sein. Wir brauchen das beste Equipment, aber es fehlt an Material und Geräten und wir haben auch keinen eigenen Operationssaal“, sagt Dr.in Gundana. Operationen müssen oft verschoben, weil Notfälle vorgereiht werden.
Nächster Schritt: Geräte anschaffen
Klar ist: Gut funktionierende Augenabteilungen brauchen geschulte Fachkräfte und eine adäquate Ausstattung.
Nachdem in der ersten Phase beachtliche Meilensteine in der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal erreicht sind, liegt der Fokus in Phase 2 vermehrt auf der Ausstattung der Kliniken mit hochwertigen Geräten. Dabei verfolgt Licht für die Welt einen strategischen Ansatz: Zuerst werden die Kliniken für die Basisversorgung (z.B. Refraktion, Grauer Star) ausgestattet. In einem zweiten Schritt werden Geräte für komplexere Untersuchungen und Behandlungen angeschafft. Diese sind umso relevanter, je größer der (Sub)Spezialisierungsgrad des Fachpersonals ist. Die Augenmedizinischen Standardlisten der International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB) dienen der Orientierung.
Grundlage für jede Entscheidung sind Inventarlisten, die vorhandene Geräte sowie deren Zustand erfassen. Dr.in Mariamo Abdala hat erstmals in der Geschichte des Landes in Mosambik eine Inventarliste aller Augenkliniken des Landes erstellt. „Jetzt wissen wir genau, was wir brauchen. Aber es fehlen im Krankenhaus die Mittel zur Beschaffung“, erklärt Dr.in Abdala.
Im Frühling konnten im Zentralkrankenhaus Maputo gemeinsam zwei Meilensteine erreicht werden:
1) Simulationslabor eröffnet: Endlich gibt es im größten Krankenhaus des Landes ein Simulationslabor. Hier können Auszubildende das Operieren auf künstlichen sowie auf Tieraugen üben. Die Arbeitsplätze sind mit Videos ausgestattet, sodass direktes Coaching möglich ist.
2) Hochwertige Operationsmikroskope: Nach langem Ringen werden endlich die alten OP-Mikroskope ausgetauscht. Die Sicht war wegen der alten Linsen und Lampen schon sehr schlecht. Die beiden neuen Mikroskope sind ebenfalls mit Kameras ausgestattet, was die Lehre verbessert.
Ausblick
Ziel ist, die Augenmedizinische Versorgung in Kooperation mit den lokalen Gesundheitssystemen so gut vorzubereiten, dass sie 2030 von den Ländern übernommen werden können. Damit kommt auch Dr.in Mariamo Abdala ihrem Traum näher: „Ich wünsche mir, dass jeder die Möglichkeit hat, zumindest einmal im Leben zum Augenarzt zu gehen.“ Im österreichischen Kontext ein bescheidener Wunsch, für Mosambik ein Lebensziel. ◗

