Bis zu einem Drittel der Pseudopemphigoide werden mit der DICC in Verbindung gebracht. Die Erkrankung weist klinische Ähnlichkeiten mit dem Schleimhautpemphigoid (mucous membrane pemphigoid -–MMP) auf, führt jedoch in der Regel nicht zu einer fortschreitenden Vernarbung und erfordert auch keine systemische Immunsuppression. (3) Die häufigste Ursache sind Konservierungsmittel in Antiglaukomatosa, aber auch andere topische und systemische Medikamente können auslösend sein. (4–6) Die Diagnose stützt sich auf die rasche Besserung der Symptome innerhalb weniger Wochen nach dem Absetzen der auslösenden Augentropfen.
Ein Fallbericht
Ein 84-jähriger Patient mit primärem Offenwinkelglaukom und terminaler Niereninsuffizienz stellte sich erstmals 2019 in unserer Ambulanz vor. Neben einer chronischen Blepharitis, konjunktivaler Hyperämie und oberflächlicher Keratopathie (Abb. 1) zeigten sich Symblephara (Abb. 2) und Hornhautvaskularisation. Die Verdachtsdiagnose medikamentös induzierte vernarbende Konjunktivitis (DICC) wurde gestellt. Die eingeleitete Therapie umfasste Cyclosporin A, Hydrocortison und später Dexamethason sowie das Absetzen beziehungsweise das Umstellen der Glaukommedikation. Dies führte subjektiv zu einer deutlichen Befundbesserung.
Der Augeninnendruck (IOD) stabilisierte sich bevor er im Sommer 2020 erneut anstieg. Eine mittelfristige orale Therapie mit Acetazolamid war aufgrund der terminalen Niereninsuffizienz keine Option. Im Winter 2020 kam es zu unkontrollierbaren Druckspitzen (bis zu 42 mmHg). Eine Trabekulektomie oder andere filtrierende Operationen waren aufgrund der fortgeschrittenen Bindehautvernarbung nicht möglich, sodass eine bilaterale transsklerale Zyklophotokoagulation durchgeführt wurde. Diese senkte den IOD erfolgreich. Eine zweite Zyklophotokoagulation im Frühjahr 2021 stabilisierte die Werte weiter. Im Oktober 2024 zeigte sich ein stabiler Befund der Augenoberfläche mit gut reguliertem IOD unter konservierungsmittelfreier Therapie.
Zusammenfassung
Die DICC ist durch eine vernarbende Konjunktivitis mit Symblepharonbildung gekennzeichnet und ähnelt dem MMP, das jedoch durch andere Ursachen ausgelöst wird. Neben topischen Medikamenten können Hauterkrankungen wie Rosazea sowie atopische Keratokonjunktivitis ursächlich sein. Eine Biopsie ist zur Abgrenzung eines MMP empfehlenswert, sollte jedoch kritisch abgewogen werden, da sie die chronische Entzündung verstärken und somit die Prognose einer Trabekulektomie verschlechtern kann. Schwere DICC-Fälle können Uveitis, Hornhautkomplikationen und Ulzerationen verursachen, und somit auch zur Erblindung führen. Die Therapie fokussiert sich auf die Reduktion topischer Medikamente, drucksenkende Maßnahmen, sowie die Kontrolle der Entzündung. (7,8) Obwohl unklar ist, ob Konservierungsstoffe oder Wirkstoffe DICC auslösen, sollte eine konservierungsmittelfreie Therapie bevorzugt werden. Benzalkoniumchlorid kann bestehende okuläre Oberflächenerkrankungen verstärken, und eine Umstellung auf konservierungsmittelfreie Präparate zeigt oft Verbesserungen. (9)
Zur Schonung der Augenoberfläche sollten Kombinationspräparate genutzt werden. (3) Systemisches Acetazolamid kann zur Drucksenkung beitragen, war im oben beschriebenen Fall jedoch aufgrund der terminalen Niereninsuffizienz begrenzt einsetzbar. Minimale invasive Glaukomchirurgie oder Zyklophotokoagulation sind Optionen, da eine Trabekulektomie aufgrund der Bindehautvernarbungen eine reduzierte Erfolgschance aufweist. Ein Fallbericht beschreibt erfolgreiche filtrierende Chirurgie mit Amnionmembran, allerdings gibt es hierzu keine weiteren Erkenntnisse. (10) Endoskopische Zyklophotokoagulation ist ebenfalls eine mögliche Option, die jedoch nicht an jeder Klinik verfügbar ist. (2)
Zusammenfassend ist die DICC medikamenteninduziert und verläuft ohne systemische Beteiligung. Die Hauptursache ist meist eine langjährige topische Glaukomtherapie. Der oben beschriebene Fallbericht zeigt die Wichtigkeit von regelmäßigen Kontrollen der Augenoberfläche auf Unverträglichkeiten bestehender Therapien, um mögliche Komplikationen zu vermeiden.◗

