13.12.2025 | Forschung

Okuloplastik & Onkologie: Neue Entwicklungen

Im Gespräch mit Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Roman Dunavölgyi, dem Leiter der Spezialambulanz für Ophthalmologische Onkologie und Okuloplastik an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der MedUni Wien, geben wir Einblicke in die Arbeit der Ambulanz und werfen einen Blick auf zukünftige Herausforderungen im Fachbereich.


Sehr geehrter Herr Prof. Dunavölgyi, seit wann leiten Sie nun die Spezialambulanz für Ophthalmologische Onkologie und Okuloplastik und was hat sich in Ihrer Zeit als Leitung alles getan?

Prof. Dunavölgyi: Ich leite die Spezialambulanz bereits seit September 2020. Es war mir schon zu Beginn ein großes Anliegen, dass wir die beiden bis dahin bestehenden Bereiche – die Ambulanz für intraokulare Tumore und die Ambulanz für Okuloplastik – zusammenführen, damit wir die Versorgung von onkologischen Patient:innen an der größten Augenklinik Österreichs bündeln können. Mit dieser Zusammenlegung haben wir nicht nur den Ablauf, sondern auch das Therapie­angebot für Patient:innen und Zuweiser:innen optimiert. Außerdem hat sich die Zusammenarbeit intensiviert: Wir pflegen nun einen noch intensiveren Austausch beziehungsweise eine engere Kooperation mit den Kolleg:innen der anderen Abteilungen innerhalb und außerhalb des Hauses. Das gewährleistet die bestmögliche Betreuung all unserer Patient:innen.

Wie hat sich die Onkologie und Okuloplastik aus Ihrer Sicht generell in den letzten Jahren verändert?

Prof. Dunavölgyi: Im Bereich der Onkologie hat sich in den letzten Jahren viel getan. Die chirurgischen Techniken werden immer präziser und entwickeln sich stetig weiter. Zusätzlich stehen neue Behandlungs­optionen zur Verfügung: Bei intraokularen Tumoren beispielsweise die Protonentherapie, bei extraokulären Tumoren eine Reihe verschiedene immuntherapeutische Ansätze. All diese neuen Möglichkeiten ergänzen das Behandlungsschema und erfordern einen engen Austausch zwischen Mediziner:innen der verschiedenen Fachrichtungen.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Betreuung Ihrer Patient:innen?

Prof. Dunavölgyi: Eine große Herausforderung ist, dass wir Patient:innen aus ganz Österreich und sogar aus dem benachbarten Ausland betreuen. Trotzdem muss immer eine konsequente und optimale Nachsorge sichergestellt werden. Natürlich gibt es auch Patient:innen für die es nicht möglich ist alle Nachsorgetermine wahrzunehmen. In solchen Situationen versuchen wir trotzdem ein möglichst verlässliches Nachsorgeschema zu etablieren. Besonders wichtig ist uns, als Ambulanz jederzeit gut erreichbar zu sein, um bei Fragen kompetent beraten zu können. Manchmal ist auch eine Wiedervorstellung an unserer Abteilung notwendig, aber auch diese kann bei einer direkten und niederschwelligen Kommunikation leichter organisiert werden.

Was sind ihre Visionen für die Zukunft der Ambulanz?

Prof. Dunavölgyi: Meine Visionen geht ganz klar in die Richtung der personalisierten Präzisionsmedizin. Wir wollen das, was wir chirurgisch bereits erreichen, auch in der Strahlentherapie abbilden. Mit noch effizienteren Bestrahlungstechniken hoffe ich, können Tumore zukünftig noch präziser therapiert werden. Auf immuntherapeutischer Ebene möchte ich – auch durch molekularbiologische und genetische Analysen der Tumore – noch gezieltere und individuellere Behandlungen ermöglichen. Mein Ziel ist, allen Patient:innen eine maßgeschneiderte Therapie anbieten zu können. Auch jetzt greifen Behandlungsmodalitäten zum Teil schon ineinander: Sprich Tumore, die vor einiger Zeit noch als inoperabel galten, können durch eine spezifische Immuntherapie gezielt verkleinert werden und so eventuell dann doch noch operiert werden. Der Spielraum wird immer größer und darüber freuen wir uns sehr. Viele Patient:innen, die wir bis dato nicht behandeln konnten, können wir so noch einer Therapie zuführen.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen in der Onkologie und Okuloplastik in den kommenden Jahren?

Prof. Dunavölgyi: Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich die Behandlung der metastasierten intraokularen ­Melanome. Es gab hier in den letzten Jahren zum Glück schon deutliche ­therapeutische Fortschritte, jedoch fehlt hier noch die Bandbreite an Therapie­optionen, welche uns zum Beispiel bei den kutanen Melanomen zur Verfügung steht. Hier sehe ich für die Zukunft enormes Entwicklungspotenzial.

Wie sehen Ihre persönlichen Ziele für die Zukunft aus?

Prof. Dunavölgyi: Mir ist es besonders wichtig, in Bereichen mit seltenen Erkrankungen Fortschritte zu machen, damit die diagnostischen und therapeutischen Optionen für die Betroffenen stetig verbessert werden. Ich freue mich daher auf eine spannende Zukunft, in der Spitzenmedizin und Forschung eine noch engere Verbindung eingehen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Roman Dunavölgyi

Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie
Medizinische Universität Wien

Foto: Feelimage/Matern

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