30.08.2025 | Cornea, Forschung, Glaukom

Rho-Kinase-Inhibitoren: Vielseitige Medikamente

Rho-Kinase-Inhibitoren (ROCK-Inhibitoren) haben sich als vielversprechende Therapieoption in der Ophthalmologie etabliert. Durch ihre Fähigkeit, die Zell­migration und Proliferation zu fördern sowie Entzündungen zu reduzieren, bieten die in der Glaukomtherapie bereits etablierten Therapeutika auch neue „Off-Label“ Behandlungsansätze im Bereich der Hornhauterkrankungen.


Einsatz bei Hornhauterkrankungen

ROCK-Inhibitoren wie Netarsudil und Ripasudil haben ihre Wirksamkeit bei der Fuchs’schen Endotheldystrophie (FED) und der pseudophaken bullösen Keratopathie (PBK) gezeigt. Sie unterstützen die Regeneration der Endothelzellen, reduzieren Hornhautödeme und verbessern die Transparenz der Hornhaut. Phase-II/III-Studien belegen eine signifikante Steigerung der Endothelzellzahl (z. B. K-321 Studie zu Ripasudil). Diese Therapiemöglichkeiten erlauben es, eine Transplantation zu verzögern, können diese allerdings nicht ersetzen. Bisher gibt es für die Hornhautindikation allerdings keine Zulassung in Österreich.

Behandlung weiterer Krankheitsbilder

Nach schwierigen Katarakt-Operationen können ROCK-Inhibitoren die Heilung der Hornhaut zum Beispiel bei partiellen postoperativen Endothelschäden, wie sie nach komplizierten Katarakt-OPs vorkommen, beschleunigen und auch postoperative Ödeme reduzieren. Zudem können Sie bei Verätzungen und schweren Entzündungen die Hornhautstruktur stabilisieren, indem sie die Apoptose verhindern und die Zellmigration fördern. Auch im Fall von schweren Keratitisverläufen können ROCK-Inhibitoren additiv zur antibiotischen beziehungsweise antimykotischen Therapie eingesetzt werden. In einem Fallbericht konnte etwa gezeigt werden, dass die neuen Medikamente auch bei einer Endotheliitis im Rahmen einer Abstoßungsreaktion nach einer Hornhauttransplantation eingesetzt werden können. ROCK-Inhibitoren zeigen in Einzelfallberichten weiters positive Effekte bei persistierenden Epitheldefekten, und neurotropher Keratopathie – besonders in Kombination mit Hyaluronsäure.

Nebenwirkungen und Sicherheitsprofil

Die häufigste Nebenwirkung ist eine konjunktivale Hyperämie (meist mild und reversibel). Seltener treten punktförmige Epitheldefekte begleitet von Fremdkörpergefühl auf. Diese Nebenwirkungen sollten nicht unterschätzt werden, da sie in der Praxis zu Therapieabbrüchen führen können.

Fallbericht

Ein männlicher Patient hat ein stark alkalisches Schaumreinigungsmittel (Lerapur VET Extra) ohne Schutzbrille in beide Augen bekommen. (Abb. 1-4) Der Visus bei Erstvorstellung (September 2022) betrug: RA 0,3 sc., LA 0,4 sc. Der letzte Visus nach Ripasudil-Therapie (November 2022) betrug: RA 1,0 sc., LA 0,8 cc.

Zusammenfassung

ROCK-Inhibitoren können insbesondere bei schwer behandelbaren Hornhauterkrankungen und postoperativen Komplikationen eine wertvolle Ergänzung oder Alternative zu bestehenden Therapien sein. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie die Wirkstoffe in randomisierten Studien abschneiden werden. Die ersten Fallberichte deuten jedenfalls auf eine vielseitige Wirksamkeit und gute Verträglichkeit hin. In Österreich findet die Behandlung der oben angegebenen Erkrankungen, ausgenommen im Bereich Glaukom, zurzeit noch Off-Label statt. Rho-Kinase-Inhibitoren (ROCK-Inhibitoren) sind zur Behandlung des primären Offenwinkelglaukoms und der okulären Hypertension verfügbar. Der Wirkstoff Netarsudil wird unter dem Handelsnamen Rhokiinsa® als Monopräparat angeboten. Zudem ist Netarsudil in Kombination mit Latanoprost unter dem Namen Roclanda® erhältlich.

OÄ Dr.in Sarah Moussa
Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie
Salzburg www.salk.at

FOTO: eva trifft Fotografie

Literatur:
1. Futterknecht S et al., Drug Des Devel Ther. 2024 Jan 19;18:97-108.
2. Singh K et al., J Curr Glaucoma Pract. 2023 Jan-Mar;17(1):44-48.

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