13.12.2025 | Fortbildung

Interviews zum Second Lid & Keratoplastic SUMMIT Tirol 2025


Welche Lücke in der Aus- und Weiterbildung schließt der ­„Second Lid & Keratoplastic SUMMIT Tirol“ und welchen Vorteil haben die Wetlabteilnehmer:innen?

David Ortner Bsc.: Der SUMMIT schließt die Lücke zwischen Gewebekomplexität und standardisierbarer Übung. Die Kombination aus Körperspende und 3D-Modellen vereint beide Aspekte: Am Spender erfahren die Teilnehmer:innen natürliche Variabilität und Haptik, während die Modelle ­reproduzierbare, klar eingefärbte Strukturen und definierte Pathologien bieten. Dazu zählen unter anderem Lidfehlstellungskorrekturen, Kanthoplastik/Kanthopexie, der laterale Tarsalstreifen, Drainage- und Wundverschluss-Simulationen, obere und untere Blepharoplastik, Ptosekorrekturen sowie Rotationslappen.

Welche Rolle spielen ­Wetlabs und das simulationsbasierte Training (inkl. 3D-gedruckter Modelle) für den Kompetenzaufbau bei feingewebigen Lid- und Hornhauteingriffen? Wie groß ist der Lerneffekt für Teilnehmer:innen?

David Ortner Bsc.: Wetlabs mit Simulation beschleunigen den Kompetenzaufbau bei feingeweblichen Lid- und Hornhauteingriffen durch wiederholbares Üben, ­direktes Feedback und den Verzicht auf ein Patient:innenrisiko. Unsere standardisierten 3D-Modelle sind sowohl prüfungs- als auch trainingskoffertauglich. Zusätzlich decken wir verschiedene Hornhauttransplantationen – z. B. DMEK, DALK, PKP –, Glaukomchirurgie sowie Katarakt- und IOL-Eingriffe ab. Das Feedback der Teilnehmer:innen bestätigt einen deutlichen Lernzuwachs.

Bei welchen Indikationen führen Sie die Keratoplastik am häufigsten durch? Welche Kriterien sind bei der Entscheidung zwischen perforierender und lamellärer Technik wichtig?

Prof. Schmidinger: Die typische Indikation hat sich in den letzten Jahren deutlich in Richtung endothelialer Erkrankungen verschoben. In spezialisierten Zentren wie dem AKH Wien ist der Anteil an Akut-Operationen – häufig perforierende Technik – immer noch hoch. Im Zeitalter lamellärer Techniken (DMEK) mit exzellenten Visusergebnissen werden Operationen in deutlich früheren Erkrankungsstadien durchgeführt. Dadurch nehmen auch Re-Operationen, welche bereits die zweithäufigste Indikation stellen, zu.

Welche intraoperativen Komplikationen treten Ihrer Erfahrung nach am häufigsten auf? Sind künstliche Augen eine geeignete Methode für das Training?

Prof. Schmidinger: Hier muss genau zwischen perforierenden und lamellären Techniken unterschieden werden. Bei perforierenden Operationen sind Schwierigkeiten mit Nahttechniken die häufigste Ursache für postoperativ unbefriedigende Ergebnisse. Beispielsweise sind dies eine Nahtlockerung, hochgradiger Astigmatismus oder eine Stufenbildung. Dies lässt sich an künstlichen Augen hervorragend üben. Bei lamellären Techniken können Implantationtechniken in Kunstaugen geübt werden. Für das Erlenen von Präparationstechniken am Spender ist jedoch weiterhin humanes Gewebe erforderlich.

Wie wird sich die Keratoplastik Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren verändern? Welche klinischen Studien haben Ihr chirurgisches Vorgehen am stärksten beeinflusst?

Prof. Schmidinger: Die DMEK-Technik hat die Hornhautchirurgie in den letzten 15 Jahren revolutioniert. Mit dieser Technik sind eine anatomische Wiederherstellung der Hornhaut sowie exzellente Visusergebnisse möglich. Publikationen zu Präparationstechniken haben unser operatives Vorgehen am meisten beeinflusst – heute verwenden wir eine weiterentwickelte ­„no-touch“ Technik, welche eine Präparation des Spendergewebes in wenigen Minuten ermöglicht. Eigene Arbeiten zur postoperativen Luftfüllung haben unser Vorgehen in der ambulanten Chirurgie beeinflusst. Auf Basis der Pionierarbeit von Shigeru Kinoshita werden in den nächsten Jahren zellbasierte Therapiesysteme – ­ATMP, „advanced therapy medicinal products“ – für endotheliale Erkrankungen eine zunehmende Rolle spielen. In Japan wurde eine Zell-Therapie – Vyznova, ­Aurion Biotec – bereits zugelassen. Weitere Firmen betreiben Studien in den USA und ­Israel. Die Durchsetzung dieser Therapien gegenüber der klassischen Chirurgie wird auch eine Frage der Kosten sein.

Wieso wurde ein interdisziplinäres Format beim „Second Lid & ­Keratoplastic SUMMIT Tirol“ gewählt?

Mag.a Zilahi-Lugbauer: Uns war es wichtig, ein interdisziplinäres Format zu wählen, das den evidenzbasierten Austausch zwischen Ophthalmologie, plastisch-rekonstruktiver Chirurgie und Anatomie gezielt fördert. Durch die Verbindung dieser unterschiedlichen Fachrichtungen entsteht ein ganzheitlicher Blick auf chirurgische Abläufe – das erweitert nicht nur die Perspektiven, sondern stärkt auch nachhaltig das Wissen aller Teilnehmenden.

Wie beeinflussen zeit- ­und ressourceneffiziente Trainings (z.B. Simulation, standardisierte Protokolle) die Versorgungsökonomie – speziell in der ­Peripherie und in Ordinationen?

Mag.a Zilahi-Lugbauer: Zeit- und ressourceneffiziente Trainingsformate – etwa ­simulationsbasierte Verfahren und standardisierte Protokolle – fungieren als Katalysatoren für die Versorgungsökonomie. Sie stärken die praktische Handlungskompetenz, verkürzen Lernkurven und tragen dazu bei, Komplikationen deutlich zu reduzieren.

Jetzt können Sie sich vom hohen Organisationsaufwand ein bisschen erholen, oder gibt es doch eine baldige Fortsetzung des Fortbildungsformates?

Mag.a Zilahi-Lugbauer: Der hohe Organisationsaufwand spiegelt die Komplexität von Wetlabs wider. Gleichzeitig bestätigt die hervorragende Resonanz den Bedarf an Austauschplattformen wie dem Second Lid & Keratoplastic Summit. Eine Fortsetzung des Formats ist aufgrund des großen Interesses für den 8. bis 10. Oktober 2026 vorgesehen. Damit wird der Wissenstransfer nachhaltig institutionalisiert – und uns bei ASKIN & CO bereitet das große Freude.

David Ortner Bsc.
CEO/Shareholder
eyecre.at GmbH

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Gerald Schmidinger

Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie
Medizinische Universität Wien

 

Mag.a Mariella Zilahi-Lugbauer, MBA

Managing Partner
ASKIN & CO GmbH
www.askin.co.at

Fotos: David Ortner, KEINRATH.COM, Feelimage/Matern, Privat

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