
Foto: ASKIN & Co
Welche Produkte vertreiben Sie derzeit in der Ophthalmologie?
ASKIN & CO steht für ein vielseitiges Produktportfolio in der Augenheilkunde. Besonders im Bereich der Therapie und Diagnostik des Trockenen Auges bieten wir eine breite Auswahl – von Punctum Plugs und Lacrimalkanülen bis hin zu innovativen IPL-Systemen, mit denen sich nicht nur das Trockene Auge, sondern auch neuropathische Schmerzen behandeln lassen. Ergänzt wird das durch unsere umfassende Diagnose- und Untersuchungsplattform, die eine schnelle und automatisierte Beurteilung des Trockenen Auges sowie der Augenoberfläche ermöglicht. Unsere diagnostischen Geräte decken ein breites Spektrum ab – vom Autorefraktometer und Phoropter über Sehzeichenmonitore bis hin zum Scheitelbrechwertmesser. Auch Spaltlampen mit Untersuchungseinheiten gehören selbstverständlich dazu. Ein besonderes Highlight in unserem Portfolio ist eine kostensensitive Schiebeuntersuchungseinheit, die wir gemeinsam mit österreichischen Ophthalmolog:innen entwickelt haben – darauf sind wir stolz.
Welche innovativen Technologien setzen Sie in der Vorderabschnittsdiagnostik ein?
Im Bereich der vorderen Augenabschnittsdiagnostik setzen wir auf unser Anterion-System mit Swept-Source-OCT-Technologie. Dieses System ermöglicht hochauflösende Aufnahmen und bietet durch seine modulare Struktur maximale Flexibilität. Es verfügt über vier Module – Tomo-Topografie, Biometrie, Imaging sowie umfassende metrische Auswertungen – diese Module können je nach Bedarf auch nachträglich freigeschaltet werden. Bei der Makuladiagnostik setzen wir auf das Spectralis HRA-OCT, ein Gerät, das sich seit über 18 Jahren als verlässlicher Goldstandard in Österreich etabliert hat – insbesondere, wenn es um die Präzision und Reliabilität der in der Netzhaut- und Glaukomdiagnostik geht. Die Tatsache, dass der Spectralis in Österreich produziert wird, erfüllt viele Österreicher mit berechtigtem Stolz und unterstreicht die Innovationskraft unseres heimischen Standorts.
Spielt die Ultraschalldiagnostik dann überhaupt noch eine Rolle?
Ja! Seit 46 Jahren engagieren wir uns in diesem Bereich und organisieren regelmäßig Anwenderkurse, um Ophthalmolog:innen die Applikationen der Technologie näherzubringen. Die Realität zeigt, dass beide Technologien ihre Berechtigung haben, da sie sich je nach Indikation sich sinnvoll ergänzen. Der Ultraschall ermöglicht bei Trübungen eine strukturierte Darstellung intraokularer und orbitaler Strukturen, insbesondere bei klinischem Verdacht auf Netzhautablösungen, intraokularen Tumoren oder pathologischen Veränderungen der okulären Muskulatur und des Sehnervs.
Gibt es neue Entwicklungen in der Ultraschallbildgebung?
Die 5-Ring-Technologie der 20-MHz-Sonde ist beispielsweise ein entscheidender Fortschritt. Sie basiert auf der alternierenden Aussendung von Ultraschallwellen aus fünf konzentrischen Schallköpfen in einer einzigen Sonde. Die daraus resultierenden Bilder haben eine außergewöhnliche Detailtreue und ermöglichen eine vollständige Darstellung des Auges. Auch die neue UBM-Technologie erlaubt eine Visualisierung der hinter der Iris gelegenen Strukturen, die mit anderen Methoden nicht erfasst werden können. Verbesserte Signalverarbeitung sorgt für höhere Auflösung und Durchdringungstiefe, während eine lineare Wandlerbewegung die Bildqualität weiter optimiert. Die neuesten B-Sonden verfügen über einen Positionssensor, der in Echtzeit die Sondenlage und die Orientierung des Ultraschallbündels im Augendiagramm anzeigt – das erleichtert die präzise Lokalisierung relevanter Strukturen.
Wie hat sich die Glaukomtherapie-, Chirurgie und Diagnostik in den letzten Jahren verändert?
Mit unserem SLT-Laser sind wir in Österreich Marktführer. Das System ist äußerst flexibel einsetzbar, sowohl als Kombinationslösung mit integriertem YAG-Laser als auch in Verbindung mit unserem Netzhautphotokoagulator. Darüber hinaus bieten wir auch weiterführende Lösungen für die Glaukombehandlung an, etwa Valve-Implantate sowie intraoperative Hilfsmittel wie das Kahook Dual Blade. Dieses ermöglicht eine vollständige Entfernung des Trabekelmaschenwerks und trägt so entscheidend zur nachhaltigen Verbesserung des Kammerwasserabflusses bei. Eine weitere technologische Weiterentwicklung in der Glaukomdiagnostik stellt das neue spaltlampenmontierte iCare Rebound-Tonometer dar. Dieses Gerät ermöglicht, schnellere und präzisere sowie reproduzierbare Messungen des intraokularen Drucks – ganz ohne die Notwendigkeit einer topischen Anästhesie oder Fluoreszeinapplikation.
Welchen Stellenwert hat die Okuloplastik in Ihrem Unternehmen?
Der Bereich gewinnt zunehmend durch die Auslagerung an die niedergelassenen Ärzt:innen an Bedeutung. Hier vertreiben wir etwa sterile OP-Packages, spezielle Markierstifte, Spezialkanülen, Einwegkauter, als auch Enukleationsplomben, Lidimplantate und Einmal-Instrumente. Besonders gefragt sind mittlerweile auch unsere vorgeladenen monokanalikulären nasolakrimalen Intubationen.
Was bieten Sie im Bereich der Keratoplastik an?
Ganz aktuell haben wir unseren neuen Punch vorgestellt, der mit einem anatomisch tiefen Schaft, integrierter Aspiration und einer doppelten Krümmung ausgestattet ist. Dadurch lässt sich die Spenderhornhaut in ihrer natürlichsten Position stabilisieren – ein großer Vorteil für die Präzision im OP. Die doppelt abgeschrägte Klinge ermöglicht zudem einen vertikalen, durchgängigen Schnitt über die gesamte Transplantatdicke hinweg – was einen Mehrwert darstellt. Ergänzend dazu bieten wir selbstverständlich auch adjustierbare Trepane sowie das passende Instrumentarium an, um ein vollständiges Set für Hornhauttransplantationen bereitzustellen.
Gibt es Neuerungen, beziehungsweise andere spannende Produkte, die Sie uns kurz vorstellen möchten?
Ja, insbesondere in der Blepharoplastik gibt es spannende Entwicklungen. Diese Eingriffe können nun auch blutlos mittels Plasmatechnologie ohne Operationssaal-Setting durchgeführt werden. Zusätzlich lassen sich hier gute Ergebnisse bei Warzen, Chalazion, Pigmentflecken, Fetteinlagerungen in der Lidhaut und Pterygium erzielen. Wir haben auch einen mobilen Kapsulotomie-Femtosekundenlaser in unser Portfolio aufgenommen, der standortunabhängig, kostensensitiv und mit hoher Präzision reproduzierbare Ergebnisse ohne Sog ermöglicht.
Begegnen auch Sie in Ihrem Unternehmen Lieferengpässen?
Gott sei Dank bislang noch nicht. Ich habe jedoch gehört, dass insbesondere im Bereich der intraokularen Gastamponaden, Silikonöle, Perfluorocarbone, dualen Anfärbelösungen, Enukleationsplomben sowie Lasersonden, Chandeliere und Auflagelinsen andere Hersteller von Versorgungsengpässen betroffen sind. Unsere Hersteller sind zum Glück weiterhin zuverlässig.
Wie viele Mitarbeiter umfasst Ihr Unternehmen derzeit?
Zum jetzigen Zeitpunkt beschäftigen wir rund 65 Mitarbeiter:innen. Viele davon sind bereits seit über zwei Jahrzehnten bei uns, einige sogar seit mehr als 30 Jahren. Dieses langjährige Know-how sichert eine gleichbleibend hohe Qualität in der Beratung und im Kundenservice.
Was sind Ihre Visionen für die Zukunft des Unternehmens?
ASKIN & CO steht für höchste Qualität, modernste Technologie und maßgeschneiderte Lösungen in der Ophthalmologie. Dies erreichen wir, indem wir Augenärzt:innen mit den neuen Produktinnovationen ausstatten. Unser Anspruch ist es, weiterhin als Bindeglied zwischen medizintechnischen Herstellern und Anwendern zu fungieren und internationale Spitzentechnologien als Erster nach Österreich zu bringen. Ein besonderer Fokus liegt auch auf der Einführung neuer Technologien sowie der Förderung wissenschaftlicher Studien, um Österreich als Innovationsstandort weiter zu stärken.
Wo sehen Sie die zukünftigen Herausforderungen für Firmen in der Ophthalmologie-Branche?
Die größten Herausforderungen liegen sicherlich in der Balance zwischen Kontinuität, Innovation und Verantwortungsbewusstsein, weil technologische Entwicklungen immer schneller voranschreiten und es entscheidend ist, frühzeitig die richtigen Technologien zu erkennen. Als marktführendes Familienunternehmen legen wir höchsten Wert auf das Vertrauen und die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern. Gleichzeitig möchten wir auch die österreichische ophthalmologische Community international stärker vernetzen, um die Sichtbarkeit der österreichischen Augenärzt:innen bei unseren Herstellern weltweit weiter zu stärken.◗
Vielen Dank für das Interview!
