Die Jahrestagung hat gezeigt, dass viel Innovationspotenzial in der Zusammenarbeit über Generationen, Institutionen und Disziplinen hinweg steckt“, resümiert DOG-Präsident Prof. Dr. Siegfried Priglinger. Zu den besonderen Programmpunkten zählten neben den Keynote Lectures vor allem das neu eingeführte „Innovationsforum“ sowie die europäischen Facharztprüfungen („EBO-Examen“). Auch der Eye Run der Stiftung Auge verzeichnete eine Rekordteilnahme mit so vielen Läufer:innen wie nie zuvor.
Kongress der Rekorde und Innovationsinitiative für die Augenheilkunde
Die Augenheilkunde steht vor technologischen, strukturellen und gesellschaftlichen Herausforderungen. „Auf dem Kongress wollten wir eine lebendige Plattform schaffen, auf der alle Akteure – Klinik, Forschung, Praxis, Industrie und Nachwuchs – gemeinsam an Antworten arbeiten“, erläutert Priglinger. Ein Innovationsforum mit zwei neuen Sitzungsformaten sollte dafür Anstöße geben: Bei „Startup Solutions“ wurden fortgeschrittene Projekte vorgestellt, die Lösungen für offene Fragen entwickeln; beim Nachwuchs-Wettbewerb „Ophthalmo-Pitch“ zeichneten Jury und Publikum die drei besten innovativen Ideen junger Forschender aus. Darüber hinaus gab es einen Innovationsnachmittag zum Austausch zwischen Forschenden, Industrie und Meinungsbildnern. „Die Innovationsinitiative mit ihren neuen Formaten hat mich durchweg begeistert“, sagt Priglinger. „Es war beeindruckend zu erleben, wieviele kreative, kluge und mutige Ideen in unserer Fachgesellschaft entstehen.“ Nun soll es in die Umsetzung gehen. „Vielversprechende Ideen dürfen nicht in der Schublade verschwinden, sondern müssen ihren Weg in die Praxis und letztlich zu den Patientinnen und Patienten finden“, betont Priglinger. Unterstützung dabei soll ein neu gegründeter DOG-Innovationsbeirat bieten, der Expertise aus Augenheilkunde, Biotechnologie, Patentrecht, Unternehmensentwicklung und Finanzierung zusammenbringt. „Unser Ziel ist es, Innovationskultur und unternehmerisches Denken innerhalb der DOG langfristig und strukturiert zu fördern“, führt Priglinger weiter aus.
Keynote Lectures und Sitzungen
Auch die drei international besetzten Keynote Lectures rückten das Thema Innovation in den Mittelpunkt. Prof. Dr. Claus Cursiefen präsentierte neue Ansätze in der Hornhauttransplantation, während der belgische Wissenschaftler Prof. Dr. Bart P. Leroy über aktuelle Herausforderungen in der Gendiagnostik und Gentherapie bei Netzhauterkrankungen sprach. Prof. Dr. Richard F. Spaide aus den USA stellte die jüngsten Fortschritte der OCT-Technologie in Bezug auf Netzhaut, Aderhaut und Glaskörper vor. „Ein weiterer Höhepunkt waren für mich die EBO-Examen, die das erste Mal auf der DOG abgelegt werden konnten“, sagt Priglinger. „Deutschland wird international geschätzt“, fügt der Direktor der Augenklinik an der Ludwig-Maximilians-Universität München hinzu.
Insgesamt standen den teilnehmenden Augenärzt:innen 252 Sitzungen zur Verfügung – darunter drei Keynotes, 68 Symposien, zehn DOG-Updates, vier Sitzungen im Rahmen des International Experts Day, 49 Kurse, 21 freie Vortragssitzungen, 36 Postersitzungen, 73 Arbeitssitzungen, elf Workshops sowie die Führungsakademie. In den wissenschaftlichen Formaten wurden insgesamt 1371 Beiträge präsentiert. Die Industrieausstellung bot auf 2.552 Quadratmetern Fläche Raum für 114 Ausstellende, die innovative Produkte und Dienstleistungen vorstellten.
Ein neuer Präsident
Im Rahmen des turnusmäßigen Wahlverfahrens wurden in Berlin neue Mitglieder der DOG-Präsidien bestimmt. Prof. Dr. Lars-Olof Hattenbach aus Ludwigshafen übernimmt das Amt des DOG-Präsidenten. Unter seiner Leitung wird der nächste DOG-Kongress vom 24. bis 27. September 2026 erneut im Berliner Estrel-Kongresszentrum stattfinden. Prof. Dr. Siegfried Priglinger aus München wurde zum Zweiten Vizepräsidenten gewählt. Als Erste Vizepräsidentin und damit Kongresspräsidentin für das Jahr 2027 wurde Prof.in Dr.in Anja Eckstein aus Essen bestimmt.