Die wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung lag in den Händen von Univ.-Prof.in Dr.in Claudette Abela-Formanek, Univ.-Prof. Dr. Michael Georgopoulos und Univ.-Prof. Dr. Stefan Sacu, dem neuen Leiter der Augenklinik am AKH der Stadt Wien.
Ein praxisnahes Programm
Die Vortragenden – allesamt renommierte Expert:innen auf ihrem jeweiligen Fachgebiet – präsentierten ihre Inhalte auf engagierte und dialogorientierte Weise. Die Teilnehmer:innen hatten dabei nicht nur die Gelegenheit, Fragen zu stellen, sondern auch ihre eigenen klinischen Erfahrungen und Herausforderungen im kollegialen Rahmen zu reflektieren und zu diskutieren. So wurde die RETINALE erneut ihrem Anspruch gerecht, den fachlichen Austausch aller Berufsgruppen zu fördern und aktuelle Entwicklungen kritisch zu beleuchten. Ein weiteres Highlight war die Industrieausstellung, bei der zahlreiche Firmen neueste Technologien und Produkte präsentierten.
Eröffnungssitzung: Imaging und Diagnostik
Die erste Sitzung war als gemeinsame Veranstaltung für alle Berufsgruppen konzipiert und widmete sich dem Thema „Bildgebung und Diagnostik bei Netzhauterkrankungen“. Den Auftakt machte Assoc.-Prof.in Dr.in Marion Funk, Leiterin der Ambulanz für Uveitis und intraokulare Entzündungen an der Uniklinik Wien. In ihrem Vortrag zum Thema „Uveitis Imaging: Differenzialdiagnose von choroidoretinalen Läsionen im Makulabereich“ beleuchtete sie praxisrelevante Differenzierungen anhand aktueller Bildgebungstechniken. Im Anschluss präsentierte Univ.-Prof.in Dr.in Barbara Kiss von der Glaukomambulanz der Augenklinik Wien das Thema „Glaukom Imaging: Differenzialdiagnose von Glaukomschäden und RNFL-Defekten nach pars plana Vitrektomie (PPV)“. Dabei ging sie auf die Abgrenzung von glaukomtypischen und sekundären Veränderungen nach Membranpeeling ein. Prof. Robert MacLaren (Leiter der Augenklinik der University of Oxford, UK) war für die Keynote-Lecture am Nachmittag eingeladen, hielt aber schon hier zum Thema „Novel Autofluorescence Findings in Inherited Retinal Diseases“ einen kurzen Vortrag für seine verhinderte Kollegin, in dem er neueste Erkenntnisse zur Autofluoreszenz-Diagnostik bei erblichen Netzhauterkrankungen präsentierte. Den Abschluss dieser ersten Sitzung bildete Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Markus Ritter, Leiter der Ambulanz für erbliche Netzhauterkrankungen und Elektrophysiologie an der Augenklinik Wien. Sein Beitrag mit dem Titel „Differenzialdiagnosen der hereditären Netzhauterkrankungen“ gab einen umfassenden Überblick über wichtige klinische und genetische Aspekte in der Diagnostik.
Zweite Sitzung
Nach einer erfrischenden Kaffeepause und regem Austausch mit den Industrievertreter:innen wurde das Programm in zwei parallelen Sessions fortgesetzt. Die Sitzung zu „Vitreoretinale Chirurgie und Bildgebung“ eröffnete Prof. Dr. Michael Georgopoulos, stellvertretender Klinikvorstand und Leiter der vitreoretinalen Chirurgie an der Augenklinik Wien, mit seinem Vortrag „Imaging des vitreoretinalen Interface mit Wide-Field OCT“. Hier stellte er mit eindrucksvollen Bildern dar, wie die OCT-Technologie auch bei peripheren Netzhautveränderungen und zur Glaskörperdiagnostik zunehmend an Bedeutung gewinnen könnte. Es folgte Dr. Argyrios Chronopoulos (geschäftsführender Oberarzt an der Augenklinik Mannheim, Deutschland), mit einem kritischen Beitrag zur „Pneumatischen Retinopexie – eine polarisierende Technik“. Prof. Dr. Nicolas Feltgen (Leiter der Augenklinik am Universitätsspital Basel, Schweiz), präsentierte daraufhin einen strukturierten Überblick zum Thema „Ist die Netzhautablösung ein Notfall?“. Dabei wurden interessante Parallelen in der klinischen Herangehensweise zwischen den Augenkliniken in Basel und Wien deutlich. Abgeschlossen wurde diese Session durch eine spannende Fallpräsentation von Prof. Dr. Claudette Abela-Formanek (Leiterin der Kunstlinsenambulanz an der Uniklinik Wien) zum Thema intraokulare Linsen (IOL).
Orthoptist:innen und Pflegekräfte
Die Sitzung speziell für Orthoptist:innen und Pflegekräfte zum Thema „Netzhautdiagnostik – Chirurgie und Nachbetreuung“ wurde von Dr.in Marlene Hollaus und Dr. Johannes Iby (beide Augenklinik Wien) moderiert. Den Auftakt bildete hier Dr.in Julia Mai mit einer anschaulichen Einführung in die Kataraktoperation. Es folgte Priv.-Doz.in DDr.in Sandra Rezar-Dreindl mit einem Vortrag zur besonderen Diagnostik und Betreuung von Kinderaugen. Dr.in Klaudia Birner ermöglichte einen praxisnahen Einblick in die Anwendung und Interpretation der optischen Kohärenztomografie (OCT). Den Abschluss bildete Priv.-Doz. DDr. Adrian Reumüller mit einem Vortrag zu Augentumoren. Ein besonderes Highlight dieser Session war das traditionelle RETINALE-Quiz, bei dem die Teilnehmer:innen ihr Wissen in einem interaktiven Voting unter Beweis stellen konnten. Die drei besten Teilnehmer:innen wurden im Anschluss vom Organisationsteam feierlich ausgezeichnet.
Mittagspause und Keynote Lecture
Das Mittagessen fand in der großzügigen, regengeschützten Aula des Apothekertrakts statt. Hier ergab sich die ideale Gelegenheit für fächerübergreifende Gespräche in entspannter Atmosphäre. Am frühen Nachmittag folgte mit der Keynote-Lecture von Prof. Robert MacLaren zum Thema „Gentherapie“ ein internationaler Höhepunkt. Als Mitentwickler dieser bahnbrechenden Technologie gewährte er exklusive Einblicke in deren Entstehung, Entwicklung, Erfolge und auch die Herausforderungen bei der klinischen Umsetzung. Die anschließende Panel-Diskussion mit allen Referent:innen war geprägt von offenen Fragen, kritischen Anmerkungen und wertvollen Einschätzungen zur Zukunft der Gentherapie in der Ophthalmologie.
Abschlusssitzung: Fallpräsentationen und OP-Videos
Nach einer kurzen Kaffeepause wurde der letzte Programmblock mit spannenden Fallpräsentationen und Operationsvideos eingeleitet. Der neue Klinikvorstand der Augenklinik Wien, Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Stefan Sacu präsentierte hier beispielsweise einen beeindruckenden Fall einer traumatischen Netzhautablösung bei einem 3-jährigen Kind, bei dem trotz zunächst ungünstiger Prognose ein sehr gutes funktionelles Ergebnis erzielt werden konnte.
Zusammenfassung
Die erneut äußerst hohe Teilnehmer:innenzahl – die Veranstaltung war bereits im Vorfeld vollständig ausgebucht – zeigte eindrucksvoll, dass ein großer Bedarf an qualitativ hochwertiger und praxisnaher Fortbildung im Bereich Netzhaut besteht. Besonders geschätzt wird das interaktive Format der RETINALE, bei dem nicht nur Fachvorträge, sondern auch Diskussionen und Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe im Mittelpunkt stehen. Auch die Industrieausstellung war gut besucht. Die 7. RETINALE wurde von folgenden Firmen in alphabetischer Reihenfolge unterstützt: ABBVIE, ADBOS, ALCON, ASKIN, Bausch & Lomb, BAYER, DORC, Johnson & Johnson, Lenus, Mediconsult, OERTLI und ROCHE.◗