Die ESCRS ist mittlerweile eine Organisation mit über 7500 Mitgliedern aus 130 verschiedenen Ländern. Der Kongress fand im Bella Center Copenhagen statt – einem der größten Kongresszentren Skandinaviens. Das umfangreiche Programm erstreckte sich über fünf Tage (12.–16. September 2025) und bot neben den Hauptsymposien ein breites Spektrum an Instructional Courses, Live- oder Near-Live-Surgery-Sessions, Industrie-Symposien, Free-Paper- und Poster-Sitzungen.
Ein modernes Konzept
Für die Teilnehmer:innen bot die ESCRS 2025 ein interessantes Programm. Themen wie evidenzbasierte Leitlinien, neue Klassifikationen für presbyopiekorrigierende Intraokularlinsen (IOLs), Innovationen in der Endothelbehandlung und klinische Daten zu modernen IOL-Designs standen im Mittelpunkt. Auf dem Kongress traf man ein heterogenes Publikum. Rund 15.000 Teilnehmer:innen kamen zusammen – von erfahrenen Kataraktchirurg:innen über Studierende und Assistenzärzt:innen bis hin zu Fellows, Forschenden aus Grundlagen- und klinischen Studien sowie zahlreichen Industrievertreter:innen. Thematisch dominierte weiterhin die Optimierung der patientenspezifischen IOL-Auswahl, Evidenz für neue IOL-Konzepte (EDOF – „extended depth of field“, trifokal, monofocal-plus etc.), refraktive Eingriffe bei speziellen Patientengruppen sowie die Diskussion um standardisierte Klassifikationen und Leitlinien, die die klinische Alltagspraxis vereinfachen sollen.
Der Eröffnungstag
Der Beginn des Kongresses war wie gewohnt von mehreren fachspezifischen Sitzungen geprägt, die in Zusammenarbeit mit führenden Fachgesellschaften vertiefende Weiterbildung ermöglichten:
• Cornea Day (mit der European Society of Cornea and Ocular Surface Disease Specialist – EUCornea)
• Glaucoma Day (mit der European Glaucoma Society – EGS)
• WSPOS Day (World Society of Paediatric Ophthalmology and Strabismus)
• The Global Refractive Summit (eine gemeinsame Initiative von ESCRS, International Society of Refractive Surgery – ISRS und Brasilian Society of Cataract and Refractive Surgery – BRASCRS)
Diese Sitzungen stellen jährlich eine kompakte Möglichkeit im Zuge der ESCRS dar, um die ophthalmologischen Fähigkeiten auf dem jeweiligen Gebiet zu vertiefen.
ESCRS iNovation® Day: Technologie trifft auf klinische Bedürfnisse
Der ESCRS iNovation® Day rückte Technologien und Lösungen in den Fokus, die neue Bedürfnisse in der Vorderabschnittsversorgung behandeln. Die Themen reichten von neuen diagnostischen Verfahren bis hin zu chirurgischen Fortschritten. Das Programm ermöglichte Einblicke von Innovatoren, Start-ups und etablierten Vertretern der Industrie. Es richtet sich an Teilnehmer:innen, die sich für aktuelle Entwicklungen in der ophthalmologischen Innovation interessieren.
ESCRS Arena Valhalla: Ein dynamisches Lernerlebnis
Eine neue Ergänzung des Programms 2025 war die ESCRS Arena – Valhalla, ein thematischer Raum, in dem das ganze Wochenende interaktive Debatten und Expertenforen stattgefunden haben. Die Sitzungen deckten Themen wie refraktive IOLs, Presbyopie-Lösungen und komplexe Kataraktchirurgie ab und boten ein spannendes Format mit aktiver Einbindung des Publikums.
ESCRS 5K Charity Run: Mens sana in corpore sano
Auch für sportliche Betätigung war dieses Jahr gesorgt. Der ESCRS 5K Charity Run, lud dazu ein, sich aktiv an den wohltätigen Initiativen der ESCRS zu beteiligen. Zudem führte der Lauf durch Kopenhagens Naturschutzgebiet Amager Fælled.
Guidelines: What we should be doing
Dieses Symposium war als Leitlinien- und Praxis-Update konzipiert: Unter dem Titel „Guidelines – What we should be doing” wurden Fragen der klinischen Standardisierung, indikationsbezogene Entscheidungswege und evidenzbasierte Empfehlungen für die Versorgung von Patient:innen mit Katarakt, refraktiven Anliegen oder speziellen Hornhauterkrankungen präsentiert. Die Veranstaltung adressierte nicht nur einzelne Studienergebnisse, sondern präsentierte, aus vorhandener Literatur, Metaanalysen und Expertenkonsensus konkrete Handlungsempfehlungen für den klinischen Alltag. Die Guidelines wurden von der „ESCRS Cataract Guidelines Working Group“ verfasst, mit österreichischer Beteiligung durch Dr.in Victoria Till und Prim. Univ.-Prof. Dr. Oliver Findl (jeweils Hanusch Krankenhaus Wien). Die Vortragenden führten im Symposium durch Themen wie präoperatives Assessment (Biometrie, Topografie, Hornhautpathologie), IOL-Auswahl bei unterschiedlichen Anforderungen, perioperative Protokolle zur Infektionsprophylaxe und Endothelprotektion. Außerdem wurden systematische Evidenzübersichten vorgestellt, mit dem Ziel, die Diskrepanz zwischen Forschung und klinischer Routine zu verringern. Das Symposium fungierte somit als Brücke zwischen Forschung, Leitlinien und alltäglichem klinischen Alltag.
IOL-Klassifikation
Die Sitzung „IOL Classification, Design and Solutions” befasste sich mit der raschen Zunahme und Benennung unterschiedlicher IOL-Konzepte (u.a. monofocal-plus, EDF, bifokal, trifokal) wodurch eine Verwirrung in der klinischen Kommunikation größer wurde. Dieselben Produktklassen werden oft unterschiedlich bezeichnet, Studien verwenden nicht einheitliche Endpunkte, und Patient:innen werden dadurch möglicherweise missverständlich informiert. Eine einheitliche, evidenzbasierte Klassifikation bzw. Nomenklatur soll diese Probleme beheben, Vergleichbarkeit in Studien herstellen und die Entscheidungsfindung sowohl für Chirurg:innen als auch für Patient:innen erleichtern.
Die ESCRS hat einen praktischeren Ansatz entwickelt, bei dem die Leistung einer IOL anhand der Defokuskurven aus klinischen Studien mittels Cluster-Analyse ermittelt wurde (1):
Daraus ergab sich die folgende funktionelle Klassifikation moderner SVL-IOLs:
Mit einem Range of Field (ROF) unter 2,3 Dioptrien (Partial-ROF):
• Narrow – monofokale IOL
• Enhanced – erweiterte Monofokallinse (Enhanced Monofocal IOL)
• Extended – EDF-IOL
Mit einem ROF über 2,3 Dioptrien (Full-ROF):
Hier erfolgt die weitere Einteilung nach der Form der Defokuskurve
• Steep Transition – bifokale IOL mit höherer Addition
• Smooth Transition – trifokale IOL mit höherer Addition
• Continuous – bifokale oder trifokale IOL mit niedriger Addition
Verleihung der FEBO-CR-Zertifikate
Im Zuge der ESCRS finden in Zusammenarbeit mit dem European Board of Ophthalmology seit fast 10 Jahren die FEBO-CR-Prüfungen statt. Absolventen dieser Prüfung wird eine hohe klinische Kompetenz, theoretisches und chirurgisches Verständnis in der Katarakt- und refraktiven Chirurgie abverlangt. Unter den erfolgreichen Prüfungsteilnehmer:innen waren dieses Jahr erfreulicherweise auch österreichische Augenärzte: Priv.-Doz. Dr. Daniel Schartmueller und Priv.-Doz. Dr. Markus Schranz (beide Medizinische Universität Wien) bekamen feierlich ihr Zertifikat überreicht.

